"Ich habe 2000 Schlaglöcher fotografiert!" Grünas Ortsvorsteher in Chemnitz auf Spurensuche

Chemnitz - Ein Mann sieht Loch: Seit 2017 sammelt Grünas Ortsvorsteher Lutz Neubert (47, Freie Wählergemeinschaft) die Schlaglöcher von Chemnitz: Mit dem Handy fotografiert der Politiker Ortsteil für Ortsteil, Loch für Loch und will so erreichen, "dass die Stadt mehr für unsere Straßen tut und unsere Infrastruktur nicht verrotten lässt".

Lutz Neubert (47) sammelte in knapp zwei Jahren rund 2000 Schlaglöcher.
Lutz Neubert (47) sammelte in knapp zwei Jahren rund 2000 Schlaglöcher.  © Kristin Schmidt

Lutz Neubert ist ein Mann mit Ausdauer. Er lud schon 2000 Fotos kaputter Straßen bei Facebook hoch. Vor knapp zwei Jahren fing er damit an, damals noch anonym unter dem Account "Claus Straßenläufer". Seine Begründung: "Ich ärgerte mich als Bürger über die kaputten Asphaltdecken, schämte mich als Chemnitzer für unsere Straßen."

Inzwischen betreibt der Politiker die Seite öffentlich unter seinem Namen. "Die Löcher sehen nicht nur unschön aus, sondern sind auch gefährlich für jedes Fahrwerk - erst recht für jeden Zweiradfahrer."

Der Ortsvorsteher versteht die Behörden nicht: "Viele Löcher bestehen seit Jahren. Jedem Bürger, dessen Hecke in eine Straße ragt, droht ein Bußgeld. Aber die Stadt selbst tut nichts gegen gefährliche Baumängel."

Für seinen Fleiß bekommt Lutz Neubert öfter Applaus von Autofahrern. Aber es gibt auch Gegenwind, zum Beispiel von SPD-Stadtrat Jörg Vieweg (48): "Die Bilder vermitteln den Eindruck, unsere Straßen seien Schweizer Käse. Das ist Käse. Politiker sollten nicht als anonyme Heckenschützen im Internet arbeiten, sondern ihren Einfluss nutzen, etwas zu verbessern."

Der Ortsvorsteher entdeckt in Chemnitz immer wieder auch tiefe Asphaltschäden.
Der Ortsvorsteher entdeckt in Chemnitz immer wieder auch tiefe Asphaltschäden.  © Kristin Schmidt

Die Schlagloch-Fotos lädt Lutz Neubert (47) bei Facebook hoch

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