1770 Polizisten im Einsatz: So verliefen die Demos zum Merkel-Besuch

Chemnitz - Großeinsatz für die Polizei am Freitag in Chemnitz: Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (64, CDU) wurde von zahlreichen Demonstrationen und Protesten begleitet.

Der Vorsitzende von "Pro Chemnitz", Martin Kohlmann bei der Demo.
Der Vorsitzende von "Pro Chemnitz", Martin Kohlmann bei der Demo.  © DPA

Drei Monate nach der tödlichen Messerattacke auf einen 35-Jährigen, Demonstrationen und fremdenfeindlichen Übergriffen wollte sich die Bundeskanzlerin selber ein Bild von der Lage in Chemnitz machen.

Gegen 13 Uhr traf Angela Merkel in Chemnitz ein und besuchte zusammen mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (56, SPD) und Ministerpräsident Michael Kretschmer die Nachwuchs-Basketballer der "Niners" (TAG24 berichtete). Im Anschluss fand eine Gesprächsrunde mit Lesern einer Tageszeitung statt. Gegen 18 Uhr verließ die Kanzlerin schließlich Chemnitz wieder.

Schon ab dem Nachmittag fanden verschiedene andere Veranstaltungen im Rahmen des Kanzlerinnen-Besuchs statt. Gegen 14 Uhr startete eine Versammlung des Bündnisses "Chemnitz nazifrei" auf dem Seeberplatz, direkt gegenüber der Hartmannhalle. Am Marx-Monument gab es zudem noch eine Versammlung unter dem Motto "Aufstehen gegen Rassismus".

Beide Veranstaltungen verliefen störungsfrei.

Rund 2500 Teilnehmer bei "Pro Chemnitz"

Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Chemnitz wurde von zahlreichen Demos und Protesten begleitet.
Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Chemnitz wurde von zahlreichen Demos und Protesten begleitet.  © DPA

Am Bahnhof sammelte sich ab etwa 15.30 Uhr die "Merkel-Jugend" rund um den Hallenser Rechtsextremisten Sven Liebich. Die Demo zog über die Bahnhofsstraße, die Brückenstraße und Theaterstraße bis zur Hartmannstraße.

Bei Kontrollen stellten Polizisten mehrere Teilnehmer mit T-Shirts fest, "deren Aufdruck den Anfangsverdacht einer Beleidigung gegen die Bundeskanzlerin erfüllt. Die Teilnahme an der Versammlung wurde gewährleistet, nachdem das offene Zeigen der Symbolik unterbunden wurde", so eine Polizeisprecherin. Weitere Shirts wurden beschlagnahmt.

"Pegida Chemnitz Westsachsen" sammelte sich ab dem späten Nachmittag am Konkordiapark. Einige wenige Teilnehmer liefen zur Hartmannstraße und schlossen sich dort gemeinsam mit der "Merkel-Jugend" der Versammlung von "Pro Chemnitz" an, die gegen 17 Uhr begann. Die Kundgebungen verliefen weitgehend störungsfrei und endeten gegen 19 Uhr.

Insgesamt stellte die Polizei 16 Straftaten fest. Dabei handelte es sich überwiegend um Beleidigungen. Dazu gab es im Umfeld der Versammlungen vier Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. "Bei einem 31-Jährigen fanden die Beamten einen selbstgebauten Böller. Ein 53-Jähriger hatte ein verbotenes Messer dabei", teilte die Polizei mit. Ein 32-jähriger Teilnehmer der "Pro Chemnitz"-Demo kam in Unterbindungsgewahrsam, weil er einem Platzverweis nicht Folge leistete.

Insgesamt schätzen die Versammlungsbehörden, dass bei "Pro Chemnitz" bis zu 2500 Teilnehmer bei der Demo dabei waren. Dem gegenüber stehen rund 1770 Einsatzkräfte, unter anderem aus Baden-Württemberg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen sowie von der Bundespolizei.

Die Demonstrationen fanden in Hörweite des Gesprächsrunde in der Hartmannstraße statt.
Die Demonstrationen fanden in Hörweite des Gesprächsrunde in der Hartmannstraße statt.  © DPA

Titelfoto: DPA

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