Bröselnde Radlaufsätze! Pannen-Züge bremsen Chemnitz aus

VMS-Chef Harald Neuhaus (60, M.) nahm vor etwa einem Jahr die ersten neuen 
Elektro-Züge der Firma Alstom entgegen.
VMS-Chef Harald Neuhaus (60, M.) nahm vor etwa einem Jahr die ersten neuen Elektro-Züge der Firma Alstom entgegen.  © Alstom/Anne-Sophie Witwer

Chemnitz - Oh Pannenbahn! Schon wieder gibt‘s Einschränkungen bei der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB).

Der Grund: Es bröselt an den neuen, millionenschweren Elektrozügen vom Typ "Coradia Continental". Hauptleidtragend ist Chemnitz.

Betroffen ist die über Chemnitz laufende Magistrale Zwickau und Dresden. Die Linien RE 30 (Dresden-Hof), RB 30 (Dresden-Zwickau) und RB 45 (Chemnitz-Elsterwerda) fahren im Sparbetrieb - mindestens bis Freitag.

"Grund sind die Probleme des Herstellers Alstom mit den neuen Elektrozügen Coradia Continental", bestätigte ein MRB-Sprecher. "Es handelt sich um eine Ausbröselung der Radlaufsätze."

Deshalb werden auf den Strecken nur Drei- statt Fünfteiler eingesetzt, es gibt weniger Sitzplätze.

Die Züge werden regelmäßig im 
neuen Eisenbahnbetriebshof am Hauptbahnhof gewartet.
Die Züge werden regelmäßig im neuen Eisenbahnbetriebshof am Hauptbahnhof gewartet.

"Für uns ist das sehr ärgerlich", sagt der Sprecher des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS), Jens Müller (51). "Aber Sicherheit geht nunmal vor."

Seit etwa einem Jahr fahren die 29 Elektrozüge (Wert: 150 Millionen Euro) mehr schlecht als recht auf dem sächsischen Schienennetz.

Schon im Dezember 2016 landeten alle E-Züge mit Defekten an Rädern und Türen in der Alstom-Werkstatt. Der französische Bahn-Hersteller arbeite auch jetzt mit Hochdruck daran, alle Fahrzeuge wieder funktionstüchtig zu machen.

Sechs Züge stehen noch bis Freitag im Rücklauf, dann soll laut MRB der Regelbetrieb wieder laufen.

Auch mit den Bahnen des Chemnitzer Modells hatte der VMS kein Glück. Erst seit Juni fahren alle Citylinks (mit 18-monatiger Verspätung!) ins Chemnitzer Umland.

Besser als Stillstand

Kommentar von Doreen Grasselt

Mal abgesehen vom fehlenden ICE-Anschluss ist Chemnitz ein echter Vorreiter in Sachen Bahnfahren. Der VMS bemüht sich, fast den gesamten Nahverkehr gemeinsam mit der Mitteldeutschen Regiobahn zu stemmen.

Dafür gab's erst im Juni 2016 umweltfreundliche, 150 Millionen Euro teure Elektrozüge aus Frankreich. Groß gefeiert, groß gepriesen, gleich kaputt.

Auch das Chemnitzer Modell ist eine Innovation, die weltweit ihresgleichen sucht. Die Citylinks, die sowohl Eisenbahn- als auch Straßenbahnschienen nutzen, könnten ein wichtiger Vorteil bei der Bewerbung um die Kulturhauptstadt sein. Doch auch hier gibt's eine Panne nach der anderen - etwa 18 Monate lang.

Ausbaden müssen das Ganze die Fahrgäste. Und natürlich der VMS. Der ist zurzeit Prügelknabe Nummer Eins in der Stadt - allein schon wegen der Dauerbaustelle an der Zenti. Dabei holt der Verbund eine Bahn-Innovation nach der anderen in die City, macht Chemnitz in Sachen Mobilität zu einer der attraktivsten Städte Sachsens.

Wo Neues ausprobiert wird, geht auch immer irgendwas schief. Deshalb Augen auf und durch. Denn Fortschritt ist immer besser als Stillstand.

Eine Pannenserie begleitet die millionenschweren Silberpfeile.
Eine Pannenserie begleitet die millionenschweren Silberpfeile.  © Uwe Meinhold

Titelfoto: Uwe Meinhold


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