Zeugnis-Halbjahresschock? Ansturm auf Chemnitzer Nachhilfeschulen

Chemnitz - Pauken, pauken, pauken: Die Winterferien waren noch ruhig. Doch jetzt erleben die Chemnitzer Nachhilfelehrer einen wahren Ansturm.

Erlebt die Konsequenzen sächsischer Bildungspolitik hautnah: Werner Weißflog (60) vom Studienkreis Chemnitz.
Erlebt die Konsequenzen sächsischer Bildungspolitik hautnah: Werner Weißflog (60) vom Studienkreis Chemnitz.  © Maik Börner

"In der ersten Schulwoche nach den Ferien erfolgten bereits circa 25 Anfragen zu einem Beratungsgespräch", so Kerstin Endesfelder (65) von der Schülerhilfe Chemnitz. In den Ferien büffelten in den beiden Chemnitzer Schülerhilfe-Standorten (Kreherstraße 8 und Limbacher Straße 24) "nur" etwa 70 Schüler.

Yvonne Auerswald (45) vom "Kopf-Laden" (Barbarossastraße 71) erläutert die Gründe für den derzeitigen Boom: "Die Schüleranzahl nach den Winterferien steigt, weil die Zeugnisse viele Eltern tatsächlich erst über den Leistungsstand ihrer Kinder informieren und natürlich in vielen Familien Winterurlaub gebucht war."

Die Nachhilfelehrer im Kopf-Laden auf dem Kaßberg betreuen rund 70 Schüler aller Altersstufen. Yvonne Auerswald: "Die Klassen 7 bis 12 dürften am stärksten vertreten sein." Gymnasiasten seien allgemein in der Mehrzahl.

"Als Nachhilfe-Fach führt Mathematik mit einer großen Nasenlänge", sagt Werner Weißflog (60). Er betreut die Chemnitzer Studienkreis-Standorte (Theaterstraße 56 und Augustusburger Straße 181), sie kommen derzeit auf etwa 90 Schüler.

Für Weißflog hat der Freistaat am erhöhten Nachhilfe-Bedarf Mitschuld: "Der Lehrermangel mit all seinen Wirkungen zeigt sich. Und Sachsen hat leider viel zu spät auf diesen Bedarf reagiert."

Auch bei Nachhilfeeinrichtungen schlägt der Lehrermangel durch

Nachhilfe-Hochzeit: Kaum sind die Winterferien vorbei, erleben viele Chemnitzer Nachhilfeeinrichtungen schon einen Boom.
Nachhilfe-Hochzeit: Kaum sind die Winterferien vorbei, erleben viele Chemnitzer Nachhilfeeinrichtungen schon einen Boom.  © imago/Westend61

Die Mitarbeiter des Studienkreises, einem deutschen Nachhilfeunternehmen mit Franchise-Modell, kennen die Situation in den Schulen. Herr Weißflog: "In Chemnitz und Umgebung kommen sie größtenteils aus der Lehrerschaft oder sind Lehramtsstudenten."

Anderswo überwiegen sogar die baldigen Schulpädagogen. "Von unseren 32 Nachhilfelehrern, die zum gegenwärtigen Zeitpunktin der Schülerhilfe unterrichten, sind 28 jüngere Lehrer und vier pensionierte Lehrer", so Kerstin Endesfelder.

Yvonne Auerswald vom Kopf-Laden weiß: "Das Durchschnittsalter unsere Lehrkräfte ist etwa 30 Jahre. Wir haben sowohl Lehrer in Rente als auch Studierende beziehungsweise Doktoranden - aber auch Berufstätige, denen die Arbeit einfach Spaß macht."

Allerdings schlägt auch bei den Nachhilfeeinrichtungen der Lehrermangel durch. Frau Auerswald: "Lehrkräfte zu finden, ist tatsächlich schwieriger geworden." Auch Schülerhilfe-Leiterin Endesfelder kennt die Probleme, ist aber optimistischer: "Wir suchen ständig Nachhilfelehrer, vor allem für die Fächer Mathematik, Physik, Chemie und Sprachen, einschließlich Deutsch. Es ist schwieriger geworden, solche Nachhilfelehrer zu finden, bisher ist es uns aber immer gelungen."

Derzeit gibt es laut dem Landesamt für Bildung (LASUB) 25.770 Schüler an den 79 öffentlichen Chemnitzer Schulen. Davon verteilen sich 7.070 auf die Grund-, 4.877 auf die Oberschulen und 4.496 auf die Gymnasien, wie das LASUB auf TAG24-Anfrage mitteilte.

Titelfoto: imago/Westend61

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