Parkraumkonzept kommt: Pendler werden nun zur Kasse gebeten

100 Pkw-Stellplätze an der Uferstraße - fünf Minuten vom Stadtzentrum 
entfernt - vermietet ab sofort Frank Krause (65).
100 Pkw-Stellplätze an der Uferstraße - fünf Minuten vom Stadtzentrum entfernt - vermietet ab sofort Frank Krause (65).  © Maik Börner

Chemnitz - Einmal vertagt, jetzt soll abkassiert werden: Baudezernent Michael Stötzer (44, Grüne) will sich sein Parkraumkonzept absegnen lassen. Tausende Berufspendler wären betroffen.

Ohne Änderungen soll der Stadtrat das im Januar vertagte Parkraumkonzept am 8. März beschließen. Eine Mehrheit gilt als sicher. Rund 1100 Parkplätze fallen demnach weg, wenn die Flächen an Johanniskirche und Tietz bebaut werden. Das Rathaus rechnet 2019 damit. Für die verbleibenden 4800 Plätze soll die Tagesgebühr 2 Euro betragen (TAG24 berichtete).

"Nicht mit mir!", schimpft Gordon Tillmann (44, FDP). Er reibt sich an der geplanten Bevorzugung von E-Mobilen oder Autos mit Hybrid-Antrieb: "Wenn diese Pkws keine Gebühren zahlen sollen, wäre das ein Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz." Baudezernent Stötzer: "Vorschläge für die Gebührenbefreiung für E- und E-Hybrid-Fahrzeuge werden noch erarbeitet."

Rund 50.000 Pendler kommen täglich zum Arbeiten in die Stadt. Gordon Tillmann 
(44, FDP) lehnt das Parkraumkonzept ab.
Rund 50.000 Pendler kommen täglich zum Arbeiten in die Stadt. Gordon Tillmann (44, FDP) lehnt das Parkraumkonzept ab.  © Matthias Lippmann

"E-Mobile oder Hybridantriebe zu befreien ist eine verkehrspolitische Entscheidung", sagt ADAC-Sachsen-Sprecher Markus Löffler (44).

Er hält 2 Euro Parkgebühr am Tag für zumutbar: "Leipzig und Dresden sind teurer."

Zur Kasse gebeten werden viele der 50.000 Pendler. Mit 15.000 kommen die meisten aus Mittelsachsen, gefolgt von 14.800 Erzgebirgern.

Viele nutzen Bus und Bahn, doch in Richtung flaches Land dünnt sich der Takt aus. Der ÖPNV ist keine Alternative.

Private Vermieter können für Pendler eine Alternative sein. Frank Krause (65), Chef des Autohauses an der Uferstraße, bietet ab sofort rund 100 Stellplätze zentrumsnah an.

Für 25 Euro pro Monat - 15 Euro weniger als die demnächst kostenpflichtigen Parkplätze der Stadt. "Die ersten Mieter sind schon da."

Baubürgermeister Michael Stötzer (44, Grüne) will, dass Pendler künftig fürs 
Parken zahlen.
Baubürgermeister Michael Stötzer (44, Grüne) will, dass Pendler künftig fürs Parken zahlen.  © Sven Gleisberg
Die zwei Parkplätze am Johannisplatz und vorm Tietz (hinten) sollen bebaut 
werden, 1100 Plätze fallen so weg.
Die zwei Parkplätze am Johannisplatz und vorm Tietz (hinten) sollen bebaut werden, 1100 Plätze fallen so weg.  © Maik Börner