Top oder Flop? Chemnitzer Wahlplakate im Experten-Check

Chemnitz - Am 1. September wählt Chemnitz einen neuen Landtag. Die großen Parteien haben die Stadt bereits zugeklebt mit Plakaten. Doch kommen die Botschaften auch beim Wähler an? Ralf Sippel (53), Chef-Stratege der Chemnitzer Werbeagentur Zebra, nahm für uns als Reklameprofi die Parteienwerbung unter die Lupe.

SPD

"Die Partei ist vielfarbiger geworden. Es ist der modernste aller Parteienauftritte. Martin Dulig präsentiert sich volksnah, das nimmt man ihm ab. Die Fotos sind draußen bei den Menschen. Die SPD verspricht nicht die Welt, sie hat Fokus. Das erscheint lösbar. Fazit: Eine Partei mit Menschen und für Menschen."

© Ralph Kunz

Die Grünen

"Sie sind bunter, knalliger, jünger. Die Botschaften sind oft lang. Die Grünen bleiben thematisch auf Landesebene, haben aber heimlich umfirmiert. Das Bündnis 90 lassen sie zurück, das Grünen-Logo wird fast versteckt. Fazit: Moderner Auftritt, der aber die Köpfe nicht zwingend profiliert."

© Ralph Kunz

CDU

"Der Ministerpräsident ist gut in Szene gesetzt. Er wirkt nahbar, das Motiv "Chemnitz stärken" ist die Fortsetzung seiner Arbeit. Die CDU hat viel Grün auf den Plakaten, will wohl grüner werden. Die Partei setzt in ihren Aussagen mehr auf das Wie als auf das Was. Fazit: Glaubwürdige Wahlversprechen."

© Ralph Kunz

FDP

"Es gibt viele Plakate mit zahlreichen Was-Botschaften, die man aber an der nächsten Ampel schon wieder vergessen hat. Sie versprechen irgendwie alles und irgendwie nichts. Ein klares Profil sieht anders aus. Fazit: Was ist besser oder neu an der FDP? Ich kann es nicht sagen."

© Ralph Kunz

Die Linke

"Sie verkörpern die eierlegende Wollmilchsau. Sie wollen den großen Wurf, nur sind sie dabei nicht leserlich. Außerdem versprechen die Linken im Landtagswahlkampf den Weltfrieden - hier war ein Schalk am Werk. Diese Kampagne versteht keiner. Fazit: Schlecht gemacht, schade ums Geld."

© Ralph Kunz

AfD

"Sie kommt im gelernten Blau daher und setzt auf ,Null Provokation'. Die Plakate erscheinen handzahm im Vergleich zu früheren Auftritten. Regionalität und Bürgernähe werden über das alte Rathaus visualisiert. Kandidaten setzen auf einen seriösen Anstrich. Fazit: Die AfD verpasst sich einen Maulkorb."

© Ralph Kunz

Schon mindestens 80 Plakate zerstört

Im aktuellen Wahlkampf zur Landtagswahl registrierte die Polizei rund 80 Fälle, in denen Plakate beschädigt oder beschmiert wurden. In acht Fällen stellten die betroffenen Parteien Anzeige wegen Sachbeschädigung. In fünf Fällen gibt es Anzeigen wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Die Zerstörungs-Attacken trafen alle Parteien, besonders häufig CDU (27), Linke (17), Pro Chemnitz (12) und AfD (12).

Werbe-Experte Ralf Sippel (48) analysiert für TAG24 die Bilder.
Werbe-Experte Ralf Sippel (48) analysiert für TAG24 die Bilder.  © Dirk Hanus Fotodesign
Wahlkampf in Chemnitz.
Wahlkampf in Chemnitz.  © Sven Gleisberg

Titelfoto: Sven Gleisberg

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