Es geht nicht nur um Apfelkuchen: Ein geläuterter Nazi begeistert Chemnitz

Chemnitz - Das Chemnitzer Schauspielhaus (Zieschestraße) hat den nächsten Filmhit auf die Bühne gebracht: Nach "Der kleine Lord" (Weihnachtsmärchen 2017) und "La Strada. Das Lied der Straße", feierte am Samstag "Adams Äpfel" in einer Inszenierung von Carsten Knödler eine umjubelte Premiere.

Ivan (Christian Ruth, r.) holt Adam (Marius Marx, l.) ab und bringt ihn in seine Pfarrei.
Ivan (Christian Ruth, r.) holt Adam (Marius Marx, l.) ab und bringt ihn in seine Pfarrei.  © Theater Chemnitz/ Dieter Wuschanski

Frisch aus dem Gefängnis entlassen, kommt der Neonazi Adam in eine kleine Pfarrei zur Resozialisierung. Er ist der dritte Zögling von Pfarrer Ivan, der seinen Aufgaben mit unerschütterlichem Optimismus nachgeht. Dabei hat auch Ivan ein schweres Schicksal zu tragen und droht an der Realität zu zerbrechen. Adams Ziel, einen Apfelkuchen zu backen, rückt dabei schnell in den Hintergrund.

Mit "Adams Äpfel" beweist Schauspieldirektor Carsten Knödler sein Händchen für schwierige Themen ohne mit dem ausgestreckten Zeigefinger einen Moralapostel zu geben. Die rund zweistündige Inszenierung amüsiert, ist kurzweilig und unterhält mit rabenschwarzem Humor. Dabei wird mit typischen Klischees (Adams Glatze und Tätowierungen, Khalids Schießwut ...) gespielt und die Vorurteile auf die Spitze getrieben.

Phantastische Leistung des Chemnitzer Schauspiel-Ensembles

Die Straftäter Adam (Marius Marx), Khalid (Philipp Otto) und Gunnar (Philipp von Schön-Angerer) leben in der Pfarrei von Ivan (Christian Ruth).
Die Straftäter Adam (Marius Marx), Khalid (Philipp Otto) und Gunnar (Philipp von Schön-Angerer) leben in der Pfarrei von Ivan (Christian Ruth).  © Theater Chemnitz/ Dieter Wuschanski

Vor allem die Dialoge der Hauptdarsteller Marius Marx als Adam und Christian Ruth als Ivan sind gespickt mit Situationskomik und wechseln sekündlich von absoluter Weltfremdheit zu knallhartem Realismus. Wenn dann noch die beiden anderen Straftäter, der Tankstellenräuber Khalid (Philipp Otto) und der Trinker Gunnar (Philipp von Schön-Angerer) dazukommen, ist das Durcheinander perfekt.

Insgesamt ist das Stück eine phantastische Ensembleleistung, die die Inszenierung abrundet. Das Zentrum der Bühne (Bühne und Kostüm: Teresa Monfared) zeigt sich als ländliches Idyll und wird umrahmt von den Räumen der Pfarrei (Schlafzimmer, Büro, Küche und über allem die Kirchen-Kanzel).

Wie kam die bitterböse Komödie nach der Vorlage von Anders Thomas Jensen an? Schon während des Stücks ging das Publikum begeistert mit, hatte viel zu lachen und zeigte sich auch sehr sangesfreudig. Am Ende wartete ein langer Applaus auf die Darsteller. Auch wer den gleichnamige Film (mit Mads Mikkelsen als Ivan und Ulrich Thomsen als Adam) aus dem Jahr 2005 kennt, wird von der Bühnenfassung nicht enttäuscht.

Die nächste Aufführung von "Adams Äpfel" ist am 9. Mai um 19.30 Uhr im Schauspielhaus. Karten gibt es ab 12 Euro.

Marius Marx als knallharter Neonazi Adam.
Marius Marx als knallharter Neonazi Adam.  © Theater Chemnitz/ Dieter Wuschanski

Mehr zum Thema Chemnitz Kultur & Leute:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0