Quotenqueen der Anfragen: So löchert Stadträtin Schaper das Rathaus

Fleißmeise: Susanne Schaper (39, Linke) stellte die meisten Ratsanfragen, hielt die Verwaltung auf Trab.
Fleißmeise: Susanne Schaper (39, Linke) stellte die meisten Ratsanfragen, hielt die Verwaltung auf Trab.  © Uwe Meinhold

Chemnitz - Wissen macht ah! Wer A sagt und Stadtrat wird, muss auch B sagen und sich um Bürgeranliegen kümmern - etwa mit Ratsanfragen. Die meisten gehen aufs Konto von Susanne Schaper (39, Linke). Die Quoten-Queen sieht sich selbst aber eher als "Quälgeist".

Drei Kinder (4, 12, 13), zwei Hunde, einen Mann, dazu ein Mandat im Stadtrat, eins im Landtag, und trotzdem noch Zeit für jede Menge Fragen: Susanne Schaper stellte 2017 insgesamt 59 Ratsanfragen.

Auf Rang zwei landete Falk Müller (42, AfD) mit 50, gefolgt von Martin Kohlmann (40, Pro Chemnitz) mit 48 Anfragen.

"Die Hälfte der Anfragen sind Bürgeranliegen. Etwa wenn es Probleme mit der Stadtreinigung gibt", so Susanne Schaper. Sie plant ihre Zeit knallhart. Der Sonntag ab 12 Uhr ist heilig. Keine Termine, dafür Zeit für Familie.

Bei Susanne Schaper ergatterte TAG24-Redakteur Torsten Schilling einen Termin.
Bei Susanne Schaper ergatterte TAG24-Redakteur Torsten Schilling einen Termin.  © Peter Zschage

"Ein Stau auf der Autobahn versaut mir die ganze Woche." Trotzdem seien Ratsanfragen ein wichtiges Instrument. "Es geht um Transparenz politischer Entscheidungen. In der Woche komme ich nicht vor 21 Uhr dazu, die Antworten auf meine Anfragen zu lesen."

Falk Müllers Anfragen beschäftigten sich unter anderem mit Tierpark (3), Schlossteich (3), Innenstadt (4). "Wir nutzen die Antworten für Anträge, zum Beispiel im Falle der Schadstoffbelastungen an Schulen.

Es ist es unsere Aufgabe, Verwaltung und Stadtratsmehrheit aus der Opposition heraus zu kontrollieren." Erfolg auch für Martin Kohlmann. Er kritisierte mehrfach Falschparker an der Ecke Zeiß- und Helmholtzstraße - ein Schulweg.

Jetzt steht ein Poller. Die ehemalige Parkfläche werde "gegen das ordnungswidrige Abstellen von Fahrzeugen gesichert", so Baubürgermeister Michael Stötzer (45, Grüne).

Das Rathaus benötigte für die Beantwortung von 560 Anfragen 1664 Stunden. Die Kosten der Fragerei: rund 91.000 Euro.

Nach drei Ratsanfragen ließ das Rathaus für 130 Euro einen Poller gegen Falschparker an der Zeißstraße aufstellen.
Nach drei Ratsanfragen ließ das Rathaus für 130 Euro einen Poller gegen Falschparker an der Zeißstraße aufstellen.  © Maik Börner