Chemnitzer Hartz-IV-Familie: Jobcenter spricht von "Extremfall"

Chemnitz - Noch immer erhitzen die Aussagen von Hartz-IV-Paar Simone M. (55) und Denis L. (33) die Gemüter (TAG24 berichtete). Es sei ein Extremfall, sagt das Jobcenter. Subjektiv gesehen mag die Zahl solcher Fälle zwar steigen, das liege aber eben an Formaten wie "Armes Deutschland".

Simone M. (55), Denis L. (33) und Sohn Basti (17) sorgten in der Sendung "Armes Deutschland" auf RTL II für Aufsehen.
Simone M. (55), Denis L. (33) und Sohn Basti (17) sorgten in der Sendung "Armes Deutschland" auf RTL II für Aufsehen.  © RTL II/Good Times Fernsehproduktion

"Diese Fälle nehmen nicht zu", sagt Stefanie Ebert, Sprecherin der Arbeitsagentur Chemnitz. "Noch nie war der Anteil arbeitsloser Menschen so gering wie jetzt.

Im Jobcenter Chemnitz sind momentan 6 212 Menschen arbeitslos gemeldet." Vor fünf Jahren lag diese Zahl noch bei rund 9 300 Personen." De facto ist innerhalb von fünf Jahren der Anteil Arbeitsloser im Jobcenter Chemnitz um ein Drittel zurückgegangen."

Gut 2 600 Chemnitzer fanden 2018 einen neuen Job. "In diesem Jahr nahmen bereits mehr als 1500 Chemnitzer Hartz IV-Bezieher eine Erwerbstätigkeit auf. Diese Zahlen sprechen für sich und zeigen, dass die Aussagen der Sendung Extreme darstellen, die nicht zur Regel gehören."

Meine Meinung

"Sämtliche Bezüge sperren und Lebensmittelgutscheine verteilen", "Das ist kein Extremfall, das sind extrem faule Menschen, die auf unsere Kosten leben und andere ausnutzen" oder "Nach diesen klaren Ansagen wird die ARGE ja hoffentlich entsprechend reagieren…". Nur drei von hunderten Kommentaren zu den Berichten über Simone M. und Dennis L.

Die beiden polarisieren mit ihren Aussagen und sind sich dessen irgendwo auch bewusst.

Wer bei einem solchen TV-Format mitmacht, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Dass Fremde das Gesehene nun zum Anlass nehmen, über das Paar zu urteilen, ist sicherlich nicht angenehm für die zwei, menschlich aber nur allzu nachvollziehbar.

Wer sich mit Aussagen wie "Ich bin ehrlich, ich hab’ keinen Bock" oder "Warum soll ich noch arbeiten gehen" vor eine Kamera setzt, kann nicht ernsthaft davon ausgehen, dafür noch gefeiert zu werden. Viele gehen in Schichten arbeiten, andere halten sich mit drei verschiedenen Jobs über Wasser und das Chemnitzer-Hartz-IV-Pärchen macht es sich währenddessen lieber zu Hause gemütlich.

Problematisch ist dieses Verhalten nicht nur allein deshalb, weil sich Simone M. und Denis L. auf den Sozialleistungen ausruhen. Viel mehr bringen sie damit Menschen in Misskredit, die ebenfalls Arbeitslosengeld 2 erhalten, aber anders als die beiden die Vorgaben des Jobcenters erfüllen und versuchen eine Anstellung zu finden.

Die Agentur für Arbeit in Chemnitz: Das Jobcenter ist für die Familie zuständig.
Die Agentur für Arbeit in Chemnitz: Das Jobcenter ist für die Familie zuständig.  © Uwe Meinhold

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