Das soll der Bombendroher von Chemnitz sein

Rico U. am Montag in Chemnitz im Gericht.
Rico U. am Montag in Chemnitz im Gericht.  © Harry Härtel/Haertelpress

Chemnitz - Skurriler Prozess gegen einen mutmaßlichen Bombendroher: Rico U. (36) soll die spektakulären Drohungen Ende 2016 gegen zwei Chemnitzer Einkaufscenter ausgelöst haben.

Doch der Mann streitet alles ab - und schildert eine Geschichte voller Verfolgungswahn und Paranoia.

Kommissar Zufall und ein aufmerksamer Ermittler waren die großen Verbündeten der Ermittler, als Rico U. geschnappt wurde.

Eigentlich ermittelten die Beamten gegen den Chemnitzer, weil er von seinem Rechner Pizza an seinen Vermieter bestellt hatte, außerdem die Daten einer Nachbarin für Handybestellungen missbraucht haben soll.

Die Kripo ermittelte die IP-Adresse des Rechners, konnte den Weg von einem südafrikanischen Server bis in die Wohnung des Mannes in Schlosschemnitz zurückverfolgen.

Am 29. Dezember durchsuchten Polizisten nach einer Bombendrohung die Sachsen-Allee.
Am 29. Dezember durchsuchten Polizisten nach einer Bombendrohung die Sachsen-Allee.  © Harry Härtel/Haertelpress

Aus dieser heraus war der ungelernte Chemnitzer mit dem Spitznamen "Navy" im Internet unterwegs.

Während die Staatsanwaltschaft kurz nach Weihnachten 2016 die Akten sichtete und über einen Durchsuchungsbeschluss grübelte, löste Rico U. laut Anklage die fatalen Einsätze gegen die Einkaufscenter aus.

Übers Internet gingen verschiedene Faxe mit den Inhalten "Bombe", dem islamistischer Schlachtruf "Allahu Akbar" und "Anschlag, jetzt viel Feuer" bei der Polizei und in den Einkaufszentren ein.

Am 29. Dezember 2016 musste die Sachsenallee geräumt werden, einen Tag später gegen 16 Uhr die „Galerie Roter Turm“ mitten in der City. Galerie-Manager Jens Knöfel (49) schaute sich gestern den Prozess an: "Wir haben für sowas null Verständnis."

An beiden Tagen mussten rund 4500 Menschen evakuiert werden, im Einsatz waren jeweils rund 100 Polizisten. Konkrete Schadenszahlen gibt es nicht - allein das "Cinestar"-Kino in der Galerie soll aber rund 50 000 Euro Umsatzeinbußen gehabt haben.

Am 30. Dezember ging in der Galerie Roter Turm eine Drohung ein.
Am 30. Dezember ging in der Galerie Roter Turm eine Drohung ein.  © Harry Härtel/Haertelpress

Sprengsätze wurden in beiden Fällen nicht gefunden.

Dann kam Ermittler Wolfram B. (60) ins Spiel: "Ich hatte die ersten Fälle gegen Herrn U. auf dem Tisch. Dann bemerkte ich die Parallelen mit den Internet-Faxen, verglich die Fälle."

Volltreffer - am 7. Januar 2017 rückte die Polizei an, durchsuchte die Wohnung des Verdächtigen und konfiszierte drei Handys und den Rechner des Mannes. Dort entdeckten die Fahnder in den Suchverläufen Begriffe wie "Sachsenallee" und "Bombe".

Rico U. schimpfte am Montag: "Ich war das nicht. Mein Rechner wurde gehackt. Mein Vermieter wollte mich aus der Wohnung haben, die hätten mich am liebsten tot gesehen."

Allerdings fanden die Beamten sogar geöffnete private Post einer Nachbarin in der Wohnung des Chemnitzers. Der Angeklagte ging in die Offensive: "Das wurde mir untergeschoben, die Briefe habe ich nie gesehen. Die Hausverwaltung hat Nachschlüssel, die kommen überall rein."

Der Prozess wird am 23. November fortgesetzt. Im Jahr 2016 registrierte die Polizei im Stadtgebiet Chemnitz 64 Fälle von Notrufmissbrauch (Paragraph 145).

Darunter fallen aber auch, unter anderem, zerstörte Leitpfosten. Wird man erwischt und verurteilt, drohen bis zu einem Jahr Knast.


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