Nach vierter Bombendrohung in Chemnitz: Polizei sucht Zeugen

Chemnitz - Am Donnerstagnachmittag sorgte die vierte Bombendrohung in knapp zwei Wochen in der Chemnitzer Innenstadt für Aufregung. Nun sucht die Polizei nach Zeugen.

Von diesem öffentlichen Telefon in der Karl-Liebknecht-Straße rief der Droher an.
Von diesem öffentlichen Telefon in der Karl-Liebknecht-Straße rief der Droher an.  © Harry Härtel/Haertelpress

Am Donnerstag kurz nach 13 Uhr ging bei der Chemnitzer Polizei ein Drohanruf ein. Zum wiederholten Mal wurde mit einer Bombe im Jugendamt im Moritzhof (Brückenstraße) gedroht (TAG24 berichtete).

Die Behörde musste evakuiert werden, Einsatzkräfte und Sprengstoffspürhunde durchsuchten stundenlang das Gebäude, bis am Abend Entwarnung gegeben werden konnte. Es wurde kein verdächtiger Gegenstand gefunden.

Wie die Polizei mitteilt, hatte der Unbekannte den Drohanruf von einer öffentlichen Telefonzelle aus abgesetzt. Er nutzte dazu den Fernsprecher in der Karl-Liebknecht-Straße auf Höhe Georg-Straße.

Die Polizei sucht nun Zeugen, die zwischen 13 Uhr und 13.10 Uhr eine Person an dem Telefon gesehen haben. Hinweise nimmt die Polizei unter 0371/3873448 entgegen.

Bombendroher ruft aus öffentlichen Telefonzellen an

Am Donnerstag gab es den vierten Polizeieinsatz am Moritzhof innerhalb weniger Wochen.
Am Donnerstag gab es den vierten Polizeieinsatz am Moritzhof innerhalb weniger Wochen.  © Harry Härtel/Haertelpress

Es war bereits die zweite Bombendrohung in dieser Woche: Schon am Dienstagnachmittag meldete ein Unbekannter eine Bombe im Jugendamt (TAG24 berichtete). Der Unbekannte rief von einer Telefonzelle in der Augustusburger Straße (Höhe Straßenbahnhaltestelle "Tschaikowskistraße") aus an und blieb dabei offenbar nicht unbeobachtet. Eine Anwohnerin bemerkte im fraglichen Zeitraum eine Gruppe junger Leute, die sich in der Nähe des öffentlichen Telefons aufhielten und die den Anrufer gesehen haben könnten.

Auch an der Haltestelle hielten sich zum Anruf-Zeitpunkt (zwischen 16.20 Uhr und 16.28 Uhr) mehrere Personen auf.

Bereits am 24. Oktober und 1. November drohte ein Unbekannter mit einer Bombe im Chemnitzer Jugendamt. Bei den ersten Einsätzen wurden die Straßen rund um den Moritzhof gesperrt und der Nahverkehr umgeleitet, was zu einem erheblichen Verkehrschaos in der Innenstadt führte. Bei den Bombendrohungen in dieser Woche verzichtete die Polizei auf größere Absperrungen.

Einsätze könnten für Droher teuer werden

Ein Sprengstoffspürhund auf dem Weg zum Moritzhof.
Ein Sprengstoffspürhund auf dem Weg zum Moritzhof.  © Harry Härtel/Haertelpress

Wenn die Polizei den Bombendroher erwischt, droht ihm nicht nur eine Strafe, sondern auch eine saftige Rechnung. Die Polizei schätzte diese Woche bereits die Kosten auf rund 20.000 Euro, den Einsatz am Donnerstag noch nicht mitgerechnet. Dazu kommen Kosten von Feuerwehr, Stadt und Sparkasse.

Auch im Nahverkehr gab es bei den ersten Einsätzen erhebliche Personal- und Fahrgastausfälle. Sprecher Stefan Tschök (61) zu TAG24: "Wir würden zivilrechtliche Schritte anstreben.

Wie hoch die Rechnung für Bombendroher ausfallen kann, hat ein 37-Jähriger Chemnitzer 2017 erfahren. Der Mann drohte Ende 2016 mit Bomben in der Sachsen-Allee und in der Galerie Roter Turm. Einbußen für die Geschäfte: Rund 100.000 Euro.

Ende 2017 wurde der Mann zu einem Jahr auf Bewährung sowie gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Die Geschäftsleute verzichteten auf gerichtliche Mittel, weil der 37-Jährige mittellos war.

Titelfoto: Harry Härtel/Haertelpress

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