Drogen-Trio verprügelte Busfahrer wegen 150 Euro

Ronny S., Michael M. und  Steve R. am Montag vor dem Landgericht in Chemnitz.
Ronny S., Michael M. und Steve R. am Montag vor dem Landgericht in Chemnitz.  © Harry Härtel/Haertelpress

Chemnitz - Eine Serie von Überfällen auf Busfahrer erschütterte 2017 ganz Chemnitz. Ein besonders brutaler Fall wird jetzt vorm Landgericht Chemnitz verhandelt. Angeklagt ist ein Drogen-Trio - die Männer haben gestanden, im April 2017 den Busfahrer Mike J. (37) verprügelt und ausgeraubt zu haben.

Die Endstelle der Linie 32, Dresdner Straße: Um 21.40 Uhr hält Mike J. mit seinem Bus an. Mit brüchiger Stimme erzählte das Opfer am Montag: "Ich ging auf Toilette. Als ich zum Bus wollte, spürte ich einen Schlag gegen den Kopf. Ich nahm drei Männer wahr. Sie brüllten, ich solle den Bus aufmachen. Überall war Blut. Ich hatte Todesangst, dachte, dass sie auch ein Messer zücken."

Das Trio erbeutet die Tageseinnahmen und Wechselgeld - ganze 150,50 Euro. Dann flüchten die drei Männer durch den Zeisigwald. Mike J. blieb mit Prellungen, einer Platzwunde und einer gebrochenen Nase zurück: "Ich war eine Woche im Krankenhaus, fast fünf Monate dienstunfähig. Ich hatte Albträume. Nach wie vor habe ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich diese Endstelle anfahre."

Die drei Täter heißen Steve R. (26), Michael M. (28) und Ronny S. (33). Sie gestanden die Tat am Montag komplett, entschuldigten sich beim Busfahrer. Außerdem stimmten sie Schmerzensgeld-Ansprüchen zu. Ihr Motiv: Sie brauchten Geld für Drogen. Teilweise waren die Chemnitzer nach eigener Aussage acht Tage am Stück munter. Ronny S.: "Das war totaler Mischkonsum. Alkohol, Crystal, Marihuana." Von der Beute kauften sie weitere Drogen. Als die Polizei mit Bildern aus der Überwachungskamera nach den brutalen Räubern fahndete, stellte sich Steve R. selber. Die beiden anderen wurden wenig später von der Polizei festgenommen.

Die Attacken hatten eine große Sicherheits-Diskussion ausgelöst. Rund 120 Fahrer, Betriebsrat und CVAG-Leitung trafen sich schließlich am 11. Mai 2017 zu einem großen Krisengipfel in der Firmenzentrale. Dort wurde unter anderem beschlossen, dass die Fahrer keine großen Geldbeträge für Monatskarten mehr kassieren müssen. Außerdem rollen mittlerweile 13 Busse mit Schutztüren für die Fahrerkabinen durch Chemnitz. Endstellen wurden besser ausgeleuchtet, abends auch durch Security-Mitarbeiter kontrolliert. CVAG-Sprecher Stefan Tschök (60): "Wir verfolgen den Prozess genau und erhoffen uns vom Urteil eine Signalwirkung." CVAG-Chef Jens Meiwald (53) besuchte den Prozess-Auftakt am Montag persönlich.

Die Verhandlung gegen das Drogen-Trio wird am Montag fortgesetzt. Den Angeklagten drohen mindestens drei Jahre Haft.

Titelfoto: Harry Härtel/Haertelpress


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