Er stach 81 mal zu: Mutmaßlicher Hurenmörder muss im August vor Gericht

Der mutmaßliche Mörder Richard B. beim Haftprüfungstermin.
Der mutmaßliche Mörder Richard B. beim Haftprüfungstermin.  © Harry Härtel/Haertelpress

Chemnitz - Jetzt wird es ernst für Richard B. (20). Der Ungar sitzt seit mehr als fünf Monaten in Untersuchungshaft: Er soll am 29. Oktober 2016 die Prostituierte "Nelly" M. († 25) in einem Bordell an der Zietenstraße auf dem Chemnitzer Sonnenberg erstochen haben (TAG24 berichtete). Noch im Sommer beginnt der Prozess.

Im Saal 149 wurde Freitagmittag in der 2. Strafkammer die Untersuchungshaft gegen den Mann geprüft. Ergebnis nach knapp 30 Minuten: Der dringend Tatverdächtige bleibt hinter Gittern.

Die Bluttat hatte für große Angst in der Chemnitzer Rotlicht-Szene gesorgt. Kolleginnen hatten Blumen am Tatort niedergelegt und Kerzen aufgestellt.

Wochenlang tappten die Ermittler im Dunklen, erst Anfang Januar entdeckten sie die heiße Spur: Sie führte nach Ungarn zu Richard B. Am 5. Januar erging ein internationaler Haftbefehl. Mit Erfolg!

Schon einen Tag später klickten auf einem Parkplatz in der ostungarischen 120.000-Einwohner-Stadt Nyíregyháza die Handschellen. Wenig später erschien ein Video der Festnahme durch ungarische Zielfahnder auf der Homepage der einheimischen Polizei, Richard B. wurde im Frühjahr nach Deutschland ausgeliefert.

Die Polizei nimmt Spuren vor dem Haus.
Die Polizei nimmt Spuren vor dem Haus.

Das Bordell an der Zietenstraße ist seit dem grausamen Mord geschlossen.

Die Hintergründe der Tat sind immer noch nicht komplett geklärt. Anfangs wurde vermutet, dass die ungarische Prostituierte von einem eifersüchtigen Ex-Freund ermordet wurde. Das schließen die Ermittler aber offenbar aus: Nach TAG24-Informationen kannten sich der mutmaßliche Killer und sein Opfer nicht. Soll heißen: Es deutet alles auf einen eiskalten Auftragsmord hin.

Zwar sprechen unfassbare 81 Messerstiche, die bei der Obduktion der Leiche gezählt wurden, für eine emotionale Bindung zwischen Opfer und Täter. Andererseits ist auch nicht auszuschließen, dass eine Abrechnung oder Bestrafungs-Aktion im Rotlicht-Milieu eskalierte.

Hatte Nelly M. in die eigene Tasche gewirtschaftet? Wollte sie aus dem Gewerbe aussteigen? Gibt es Hintermänner oder Auftraggeber? Diese Fragen müssen ab dem 1. August geklärt werden. Ingrid Burghart, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz: "Für diesen Tag ist der Auftakt in dem Mordprozess geplant." Richard B. droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft.

Der Leichnam von "Nelly" M. wird vom Tatort weggebracht.
Der Leichnam von "Nelly" M. wird vom Tatort weggebracht.  © Harry Härtel/Haertelpress
Der Mord ereignete sich im vergangene Oktober auf dem Sonnenberg.
Der Mord ereignete sich im vergangene Oktober auf dem Sonnenberg.  © Harry Härtel/Haertelpress

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