Warum können so viele sächsische Kinder nicht schwimmen?

Freija bewegt sich im Wasser schon so sicher, dass sie Kraulschwimmen üben kann.
Freija bewegt sich im Wasser schon so sicher, dass sie Kraulschwimmen üben kann.  © Peter Zschage

Chemnitz - In zehn Tagen beginnt für rund 7000 Zweitklässler der Region Chemnitz mit dem neuen Schuljahr auch der Schwimmunterricht. Über dessen Qualität streiten Experten.

Laut Statistik der Bildungsagentur sind nach der 2. Klasse noch rund elf Prozent der Kinder Nichtschwimmer.

Eine aktuelle Forsa-Umfrage zeigt ein anderes Bild: Nur 40 Prozent der Grundschüler können demnach sicher schwimmen. Anfang der 90er Jahre konnten das noch 90 Prozent der Bevölkerung.

„Ein lebensgefährlicher Trend“, warnt Klaus Steffan (53), Vorsitzender der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Chemnitz.

Der Experte benennt Gründe: „Die Anforderungen im Schulschwimmen sind in den vergangenen Jahren herabgesetzt worden.

Bei Lutz (43) und Uta Hoffman (67) lernen Kinder in kleinen Gruppen die richtige Schwimm-Technik.
Bei Lutz (43) und Uta Hoffman (67) lernen Kinder in kleinen Gruppen die richtige Schwimm-Technik.  © Peter Zschage

Statt des Jugendschwimmabzeichens, das 200 Meter Schwimmen erfordert, ist nur noch das Seepferdchen Unterrichtsziel, für das Kinder sich 25 Meter über Wasser halten müssen.

Das hat noch nichts mit Schwimmen zu tun.“ Doch wem das gelingt, der zählt für die Schulstatistik nicht mehr als Nichtschwimmer. 200 Meter schafften nach dem Schuljahr 2015/16 nur 42 Prozent der Kinder in der Region.

Außerdem sind die Schulen beim Unterricht auf externes Personal angewiesen. Steffan: „Die Defizite beginnen bei der Qualifikation der Sportlehrer, die keine ausgebildeten Schwimmlehrer sind.“

Auch in der von Olympia-Silbermedaillen-Gewinnerin Uta Hoffmann (67) gegründeten Schwimmschule fällt die sinkende Qualität des Schulschwimmens auf.

„Bei uns lernen die Kinder korrektes Brustschwimmen, bei dem das Gesicht ins Wasser taucht. Beim Schulschwimmen werden die Kinder dann häufig rüde angewiesen, den Kopf über Wasser zu halten - was schädlich für die Halswirbelsäule ist,“ so Lutz Hoffmann (43).


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0