Notstand! Bei der Pflege droht Personal-Kollaps

Chemnitz - Nix mit acht Stunden Schlaf: Der Pflegermangel in Chemnitz ist so akut, dass die Mitarbeiter des Tagespflegedienstes "Albert Schweitzer" bereits Doppelschichten schieben müssen.

Es geht nicht anders: Unternehmer Hartleib und seine Frau bei der Wochenplanung. Sie muss wegen kranken Kollegen für drei Doppeldienste ran.
Es geht nicht anders: Unternehmer Hartleib und seine Frau bei der Wochenplanung. Sie muss wegen kranken Kollegen für drei Doppeldienste ran.  © Uwe Meinhold

"Um 6 Uhr fange ich mit den Patienten an, um 23.30 Uhr ist der letzte versorgt", sagt Claudia Müller (33) in der Mittagspause. Neben chronischem Mitarbeitermangel plagt das Familienunternehmen in der Rudolf-Krahl-Straße derzeit die Grippewelle.

Anett Hartleib (49) ist gerade wieder gesund - und muss voll ran: "Durch andere Krankheitsfälle habe ich diese Woche drei Doppeldienste vor mir."

Ihr Mann und Firmenchef Attila Hartleib (50): "Ich brauche unbedingt zwei zuverlässige Mitarbeiter." Seine 28 Pfleger versorgen 200 Patienten in der Stadt. Fachkräfte kriegen 13,50 Euro in der Stunde, Pflegeassistenten 11.

Doch nicht mal Nachwuchs ist in Sicht. Herr Hartleib: "Seit drei Jahren habe ich keine einzige Azubi-Bewerbung mehr auf dem Tisch."

Dabei steigen die Ausbildungszahlen in der Stadt: Machten 2016 nur 232 Altenpfleger ihren Abschluss, waren es 2017 bereits 263. Ein Tropfen auf den heißen Stein. "Bundesweit fehlen etwa 100 000 Fachkräfte in der Altenpflege", so Jacqueline Kallé, Sachsen-Chefin des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Sie fordert mehr Unterstützung vom Staat, auch bei ausländischen Fachkräften: "Eine sofortige Anerkennung deren gleichwertiger Qualifikation, verbunden mit Sprachkursen im Heimatland."

In Chemnitz gab es laut der Agentur für Arbeit Ende Februar 107 offene Altenpfleger-Stellen, darunter 75 für Fachkräfte.

Es geht nicht anders: Unternehmer Hartleib und seine Frau bei der Wochenplanung. Sie muss wegen kranken Kollegen für drei Doppeldienste ran.
Es geht nicht anders: Unternehmer Hartleib und seine Frau bei der Wochenplanung. Sie muss wegen kranken Kollegen für drei Doppeldienste ran.  © Uwe Meinhold
Trotz Stress das Beste geben: Seniorin Helga Möckel (85) freut sich über die Hilfe von Pflegerin Anett Hartleib (49).
Trotz Stress das Beste geben: Seniorin Helga Möckel (85) freut sich über die Hilfe von Pflegerin Anett Hartleib (49).  © Uwe Meinhold

Titelfoto: Uwe Meinhold


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