Chemnitz immer sicherer: So wenig Kriminalität wie lange nicht

Chemnitz - Nie war Chemnitz so sicher seit 2000! Die Polizeidirektion Chemnitz stellte ihre Kriminalstatistik vor. Danach gab es im Vorjahr 49.000 Straftaten, 4500 weniger als im Vorjahr, 21.000 weniger als 2000.

Stellte seine letzte Bilanz vor: Polizeipräsident Uwe Reißmann (62).
Stellte seine letzte Bilanz vor: Polizeipräsident Uwe Reißmann (62).  © DPA

Auch in der Stadt ging es nach fünf Jahren erstmals wieder abwärts mit der Kriminalität - 25.500 Straftaten sind der niedrigste Stand seit 2011. So sicher wie nie seit 2000 sind auch Mittelsachsen und das Erzgebirge. Doch der Verantwortliche für die Superarbeit muss seinen Hut nehmen: Polizeipräsident Uwe Reißmann (62) geht am 1. August in Ruhestand. "Ich wollte ein Jahr dranhängen, aber die neue Führung hat anders entschieden."

  • Knackpunkt Kellertür

Unsere Häuser im Visier von Kriminellen: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging zurück - im Direktionsbereich um 261 auf 581 Fälle. Dafür schnellte die Zahl der Einbrüche in Keller und Böden in die Höhe - plus 808 auf 3 191. Die Polizei glaubt, dass viele Mieter und Besitzer ihre Wohnungen heute besser schützen, "während im Keller viele Türen offen stehen", schimpft Polizeipräsident Uwe Reißmann. Die Aufklärungsquote bei Keller-Einbrüchen beträgt nur 9,9 Prozent.

  • Kein Anstieg bei Missbrauch

Zwar war die Zahl der Sexualstraftaten im Vorjahr explodiert. Die Polizei notierte einen Anstieg um 675 Prozent (von 16 auf 124 Fälle) im Bezirk, im Erzgebirge gar um 800 Prozent (von vier auf 36 Fälle). Doch das Problem sind nicht mehr Triebtäter, sondern ein neuer Paragraf im Strafgesetzbuch. Der bestraft nun auch sexuelle Belästigungen, also sexuell motivierte Berührungen. Polizeipräsident Uwe Reißmann: "Bei Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch gab es keinen Anstieg."

Die Zahl der Diebstähle aus Autos ging deutlich zurück. (Symbolbild)
Die Zahl der Diebstähle aus Autos ging deutlich zurück. (Symbolbild)  © 123RF
  • 20 Prozent ausländische Kriminelle

Die Polizei schnappt mehr ausländische Straftäter. Die Zahl nicht deutscher Tatverdächtiger stieg auf 20 Prozent (2016: 19,4). Besonders groß war der Anteil der straffälligen Ausländer in Chemnitz (23,7 Prozent). Die Polizei konnte zumindest einige ausländische Intensivtäter aus dem Verkehr ziehen. Nach 171 im Jahr 2016 zählte die Polizei im Vorjahr 130 Dauerkriminelle. Sie begingen zusammen 1 282 Straftaten. Vor allem Diebstähle und Körperverletzungen.

  • Deutlich weniger Autoaufbrüche

Sowohl die Zahl der Autodiebstähle (-23 Fälle) als auch die Diebstähle an/aus Fahrzeugen (-442) gingen deutlich zurück. In der Stadt halbierten sich die Zahlen der Automarder. Dafür wurden mehr Autos gestohlen (+27). Polizeipräsident Uwe Reißmann glaubt: "Wir haben wohl die Richtigen weggefangen." Er kritisiert aber auch Autobesitzer: "Die Leute sollten ihren Krempel nicht im Auto liegen lassen. Das lockt Diebe an."

  • IT-Ermittler dringend gesucht

Die Chemnitzer Polizei möchte mehr IT-Experten einstellen, um die wachsende Cyberkriminalität zu bekämpfen. Das Problem aber ist: "Eine Verbeamtung ist zwar wertig, aber für die gebotenen Gehälter kommen keine guten Leute", meint Polizeipräsident Uwe Reißmann. Er plädiert deshalb für spezielle Gehälter für gesuchte Spezialisten. "Jeder investierte Euro rechnet sich. Cyberkriminalität reicht heute von eBay-Betrug bis zur Industriespionage in kleinen Betrieben."

Titelfoto: Sven Gleisberg, Harry Härtel


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