Armer Kerl! Drei Frauen dressieren einen Mann

Das Darsteller-Quartett von "Der dressierte Mann" (v.l.): Christine Gabsch, Seraina Leuenberger, Marko Bullack und Ulrike Euen.
Das Darsteller-Quartett von "Der dressierte Mann" (v.l.): Christine Gabsch, Seraina Leuenberger, Marko Bullack und Ulrike Euen.  © Theater Chemnitz/ Dieter Wuschanski

Chemnitz – Frauen sind Opfer? Von wegen! Sie haben die Macht, egal ob sie Karriere machen oder Ehefrau werden. Das zumindest legt John von Düffels Komödie "Der dressierte Mann" nahe. Das Stück feierte am Samstagabend im Chemnitzer Schauspielhaus Premiere.

Bastian (Marko Bullack) und Helen (Seraina Leuenberger) sind ein modernes Paar. Beide sind stolz auf ihre „Beziehung auf Augenhöhe bei fast gleichem Gehalt“. Doch als er ihr einen Heiratsantrag machen will, eröffnet sie ihm, ihr sei der von ihm begehrte Vorstandsposten angeboten worden. Die romantische Stimmung ist dahin. Bastian will nicht mehr. Die Vorstellung, dass seine Frau zehnmal mehr verdient als er, trifft ihn tief ins Mark.

Als wäre alles nicht schon verfahren genug, kommen nun auch noch die Mütter der beiden ins Spiel.

Bastian (Marko Bullack mit Seraina Leuenberger und Ulrike Euen) gerät immer mehr zwischen die Räder des weiblichen Getriebes.
Bastian (Marko Bullack mit Seraina Leuenberger und Ulrike Euen) gerät immer mehr zwischen die Räder des weiblichen Getriebes.  © Theater Chemnitz/ Dieter Wuschanski

Die Damen könnten gegensätzlicher nicht sein: Bastians Mutter Dr. Schröder-Röder (Christine Gabsch) ist eine hartgesottene Emanze. Helens Mutter Konstanze "Stanze" Engelbrecht (Ulrike Euen) ein mit allen Wassern gewaschenes Luxusweib, von Beruf Gattin.

Beide Mütter machen keinen Hehl daraus, wie enttäuscht sie von ihren Kindern sind. Dennoch sind sich die schlagfertigen Frauen einig: Bastian und Helen sollen heiraten. Und weil die Ehe ihrer Überzeugung nach eine weibliche Erfindung ist, schmieden sie mit allen Waffen der Frau einen durchtriebenen Plan dafür.

Bastian gerät sturzbetrunken und machtlos zwischen Räder des weiblichen Getriebes. Gebeutelt und verkatert kann er am Ende immerhin seine Beziehung zu Helen retten. Doch um welchen Preis?

Gewitzt spielt die Inszenierung (Regie: Herbert Olschok) mit Geschlechterklischees und überkommenen Rollenvorstellungen – alles wird gemischt und neu geregelt. Ein wunderbares Darstellerquartett macht das turbulente Vergnügen perfekt.

Nicht zuletzt passt auch das Timing des Stücks: In Zeiten anstrengender #MeToo-Debatten sorgt die Komödie "Der dressierte Mann" für ein befreiendes Lachen. Das Publikum war dafür sehr dankbar. Langer jubelnder Applaus!

Nächste Vorstellungen am 2. und 17. Februar, jeweils 19.30 Uhr sowie am 11. Februar, um 15 Uhr. Tickets kosten 12 bis 22 Euro.