Erschreckend! Das ist Chemnitz' ärmster Stadtteil

Der Sonnenberg: Das Armenhaus der Stadt. Neben dem Neuen Technischen Rathaus (links) steht als Kontrast eine heruntergekommene Neubauzeile.
Der Sonnenberg: Das Armenhaus der Stadt. Neben dem Neuen Technischen Rathaus (links) steht als Kontrast eine heruntergekommene Neubauzeile.  © Peter Zschage

Chemnitz - Sorgenkind Sonnenberg: Der Stadtteil bleibt weiter das Armenhaus von Chemnitz. Hier leben die meisten Hartz-IV-Bezieher. Die Linken fordern deshalb eine Kurskorrektur.

Jeder vierte der 15.200 Sonnenberger erhält Stütze. Das geht aus Zahlen des FOG-Instituts für Markt- und Sozialforschung hervor. Unter den 26,8 Prozent jener Einwohner, die am staatlichen Tropf hängen, sind 713 Kinder und Jugendliche.

Dazu kommen 262 Männer und Frauen jenseits der 50. Die Arbeitslosenquote liegt bei 12,6 Prozent - auf dem Kaßberg bei fünf Prozent.

Insgesamt leben in Chemnitz 6100 Kinder und Jugendliche von Hartz IV. "Die vorliegenden Zahlen machen betroffen", sagt Katrin Pritscha (43, Linke). Linken-Fraktions-Chefin Susanne Schaper (40) fordert, aktiv gegen Kinder- und Altersarmut vorzugehen. "Weiter davor die Augen zu schließen und zu leugnen, ist unverantwortlich."

Linken-Politikerin Susanne Schaper (40) musste nach mehreren Anschlägen ihr Büro auf dem Sonnenberg räumen.
Linken-Politikerin Susanne Schaper (40) musste nach mehreren Anschlägen ihr Büro auf dem Sonnenberg räumen.  © Haertelpress

Elke Koch hat als Stadtteilmanagerin zehn Jahre das Sorgenkind unter den Chemnitzer Stadtteilen mit aufgepäppelt. "Arm und Reich sind kein Problem des Sonnenbergs, sondern der gesamten Gesellschaft."

Ende März geht die 65-Jährige in den Ruhestand. "Aber der Sonnenberg ist auf einem guten Weg." Den will Renè Bzdok weiter beschreiten.

Der 29-Jährige übernimmt als neuer Stadtteilmanager den Staffelstab: "Wir brauchen Arbeit auch im Quartier, also kleine Läden, kleine Werkstätten", so der Soziologe.

Er kennt den Sonnenberg sehr gut, ist seit zweieinhalb Jahren als Stadtführer hier unterwegs.

Elke Koch (65) gibt nach zehn Jahren den Staffelstab als Stadtteilmanagerin an Renè Bzdok (29) weiter.
Elke Koch (65) gibt nach zehn Jahren den Staffelstab als Stadtteilmanagerin an Renè Bzdok (29) weiter.  © Sven Gleisberg
Tristesse vor vergammelnden Fassaden. Der Stadtteil bleibt das Sorgenkind der Stadt Chemnitz.
Tristesse vor vergammelnden Fassaden. Der Stadtteil bleibt das Sorgenkind der Stadt Chemnitz.  © Klaus Jedlicka