Chemnitz probt Aufstand wegen lahmen Internet

Ärgert sich über die schlechte Internet-Qualität in Chemnitz: Steffen Förster (29) misst die Netzleistung täglich.
Ärgert sich über die schlechte Internet-Qualität in Chemnitz: Steffen Förster (29) misst die Netzleistung täglich.

Von Bernd Rippert

Chemnitz - Das Internet probt den Aufstand gegen (Fast)Monopolanbieter Primacom: In sozialen Netzwerken hagelt es Beschwerden und Schimpfworte. Jetzt droht die Piratenpartei dem Unternehmen sogar mit Ärger im Stadtrat.

Seit Wochen beschweren sich Chemnitzer, die ihr Internet aus dem TV-Kabel erhalten, über schlechte Übertragungsqualität oder sogar Totalausfälle. Software-Entwickler Steffen Förster (29) vom Club „Chaostreff Chemnitz“ misst seine Internetleistung täglich.

Er klagt: „Ich habe die bestellte Leistung von 32 auf 150 MBit erhöht - aber beide Übertragungsraten nie erhalten.“

Im Gegenteil, die MBit-Raten schwanken zwischen 120 und 3!

Die Tabelle zeigt die Internetleistung in Chemnitz - hier 3,4 MBit.
Die Tabelle zeigt die Internetleistung in Chemnitz - hier 3,4 MBit.

Tiefpunkt war der 15.Oktober mit 2,8 MBit. „Ich beschwere mich regelmäßig bei der Primacom, erhalte aber nur lapidare Antworten“, sagt der Experte.

Systemadministrator Nick Lange (23) erlebte in einem Jahr 13 Tage ohne Internet.

Er ist geladen: „Die Primacom schadet mit dieser Qualität der Wirtschaft. Auch ich konnte oft nichts auf meiner Website veröffentlichen.“

Primacom-Sprecher Stefan Susbauer (48) sieht seine Firma zu Unrecht am Pranger: „Der Internetbedarf ist in Chemnitz landesweit am größten.“ Das Unternehmen verbessere die Leitungen ständig, investiere dieses Jahr in Chemnitz 700.000 Euro.

Steffen Förster empfiehlt unzufriedenen Kunden den Wechsel zum Internet aus der Telefonbuchse, einen Telekom- Glasfaseranschluss. „Oder den Umzug in einen Stadtteil, in dem Rentner wohnen, die kein Internet haben“.

Piraten-Stadtrat Toni Rotter (27) zweifelt an den Versprechen der Primacom:

„Zu viele Nutzer hängen an einer Leitung. Wird es nicht besser, wollen wir die städtische Wohnungsgesellschaft GGG im Stadtrat zwingen, den Kabelanbieter zu wechseln.“

Grundversorger für 25.000 Wohnungen

Kommandozentrale der Primacom: In Leipzig wird die Technik überwacht.
Kommandozentrale der Primacom: In Leipzig wird die Technik überwacht.

Die Primacom ist Grundversorger aller 25.000 GGG-Wohnungen mit TV, Telefon und Internet.

Auch in den übrigen 106.000 Haushalten der Stadt ist oft die Primacom im Kabel, die kürzlich mit dem Anbieter Tele Columbus fusionierte. Daneben sind Telekom, Kabel Deutschland und die funkbasierten Internetanbieter vertreten.

Die Zahl derBeschwerden über schlechte Netzqualität der Primacom nimmt in den letzten Wochen zu. Rechtsexpertin Anne-Katrin Wiesemann von der Verbraucherzentrale Sachsen rät, sich über Mängel beim Anbieter zu beschweren.

Kunden könnten bei Nichterfüllung der gebuchten Leistung ihre monatlichen Gebühren zumTeil zurückfordern.

Fotos: Michael Bader, imago, dpa/Patrick Pleul, Peter Zschage


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