Ein Leben ohne Antoinette? Dieser Mann will seine Frau aus seiner Biografie löschen

Chemnitz - Wenn man in seiner Biografie etwas ändern könnte, was wäre das und wäre man dann glücklicher? Mit diesem Gedankenspiel beschäftigt sich die Tragikkomödie "Biografie: Ein Spiel" von Max Frisch (1911-1991), die am Samstag im Schauspielhaus (Zieschestraße) Premiere hatte. Keine leichte Kost für das Publikum.

Bei den Spielleitern, Magda Decker und Christian Ruth, geht es auch mal lockerer zu.
Bei den Spielleitern, Magda Decker und Christian Ruth, geht es auch mal lockerer zu.

Ein Leben ohne Antoinette, das ist der Wunsch des todkranken Verhaltensforschers Hannes Kürmann. "Das Spiel", bei dem seine Biografie verändert werden soll, beginnt in der Nacht in der sich das spätere Paar kennengelernt hat. Aber es nützt nichts Kleinigkeiten zu ändern, eine Berührung, ein Telefonat. Hannes muss weiter in die Vergangenheit, tritt sogar in die kommunistische Partei ein, um nicht zum Professor zu werden. Doch Hannes kann es drehen wie er will, er kommt in seinem Leben nicht an Antoinette vorbei, bis die Spielleiter ihr die Möglichkeit geben etwas zu ändern ...

Intensiv, melancholisch, aber auch einfühlsam und auf die Darsteller reduziert inszeniert Kathrin Brune das zweieinhalbstündige Stück. Andreas Manz-Kozár brilliert als Hannes, der so gar nicht von seiner zweiten Frau loskommt und er lässt die Figur das ganze Spektrum an Gefühlen durchleben, von Glück bis Verzweiflung.

Ein Stück, das zum Nachdenken anregt

Ein Leben ohne Antoinette (Andrea Zwicky), das ist der Wunsch von Hannes (Andreas Manz-Kozár).
Ein Leben ohne Antoinette (Andrea Zwicky), das ist der Wunsch von Hannes (Andreas Manz-Kozár).

Andrea Zwicky ist eine selbstbewusste und verführerische Antoinette, die sich von der fremdbestimmten Frau zur Überlegenen wandelt. Als Spielleiter führen Magda Decker und Christian Ruth mit fast diabolischer Freude durch den Abend, eloquent und mit bohrenden Fragen halten sie nicht nur Hannes einen Spiegel vor.

Das Stück von Max Frisch stammt aus dem Jahr 1967 und wurde von ihm 1984 noch einmal überarbeitet. Trotzdem ist es heute noch so aktuell wie damals. Denn in unserer schnelllebigen Zeit, wo Veränderungen zum Alltag gehören, ist es wichtig sein Leben zu reflektieren und Entscheidungen zu hinterfragen.

Das Publikum im ausverkauften Schauspielhaus jubelte am Samstag am Ende zu Recht, denn die Inszenierung wird in Erinnerung bleiben, auch weil sie den einen oder anderen Gast sicher zum Nachdenken oder Umdenken anregt.

Die nächste Aufführung von "Biografie: Ein Spiel" ist am 7. Februar um 19.30 Uhr. Karten gibt es ab 13 Euro.

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