Gemeinsam einsam: Große Gerhart Hauptmann-Premiere in Chemnitz

Chemnitz - Es war keine leichte Kost, die Theater Chemnitz am Samstagabend dem Publikum vorsetzten: Im Schauspielhaus (Zieschestraße) feierte Gerhart Hauptmanns "Einsame Menschen" Premiere.

Ausgelassene Stimmung am Pool: Die Familie feiert gemeinsam.
Ausgelassene Stimmung am Pool: Die Familie feiert gemeinsam.  © Theater Chemnitz/ Dieter Wuschanski

Käthe und Johannes Vockerat feiern mit seinen Eltern und Braun, einem Freund, die Taufe ihres Sohnes. Die Stimmung ist ausgelassen, die Familie planscht im Pool oder sonnt sich. Doch ist das Familienidyll wirklich echt?

Mutter Vockerat erzählt Käthe, dass mit einem Kind für ein Paar alles gut wird, sich erst jetzt der Sinn des Lebens erfüllt. Die heile Welt beginnt zu bröckeln, als die emanzipierte Studentin Anna, eine Bekannte von Braun, plötzlich auftaucht. Käthe und Johannes wollen aus ihrem Leben ausbrechen, allerdings nicht miteinander. Doch schnell wird klar, dass auch die unkonventionelle Anna mit ihrem Leben nicht so glücklich ist.

Der Literaturnobelpreisträger Hauptmann blickt tief in die Seelen seiner Figuren und lässt sie einen Seelenstriptease vollziehen. Regisseurin Nina Mattenklotz (dem Publikum untere anderem bekannt aus der Inszenierung "Die Räuber") fängt die Stimmung auf und führt ihre Darsteller behutsam bis an den Rand der Selbstzerstörung.

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Dabei glänzen vor allem Magda Decker und Jan Gerrit Brüggemann als scheinbar glückliches Ehepaar, die aber zusammen die wohl einsamsten Menschen im ganzen Stück sind. Seraina Leuenberger bringt als Anna frischen Wind in die festgefahrenen Familienstrukturen. Aber auch die lebensfrohe Studentin hat eine dunkle Seite.

Das Bühnenbild zeigt in der knapp zweistündigen Inszenierung einen überdimensionalen Pool, der sich von der Party-Location zum Schlachtfeld entwickelt und so einen Spiegel zu den handelnden Personen zeigt. Unterstrichen wird der Stimmungswandel von Akkordeonmusik (live gespielt von Steffan Claußner).

Als die Lichter auf der Bühne ausgingen, musste das Publikum das Gesehene erst einmal kurz setzen lassen, doch dann feierte es die Darsteller und das Inszenierungsteam bei minutenlangem Schlussapplaus.

Die nächste Aufführung von "Einsame Menschen" findet am 31. Januar um 19.30 Uhr statt. Karten gibt es ab 12 Euro.

Käthe Vockerat (Magda Decker) könnte eine glückliche Frau sein, doch trotz Ehemann und Kind fühlt sie sich einsam.
Käthe Vockerat (Magda Decker) könnte eine glückliche Frau sein, doch trotz Ehemann und Kind fühlt sie sich einsam.  © Theater Chemnitz/ Dieter Wuschanski
Mutter Vockerat (Susanne Stein) versteht ihren Sohn (Jan Gerrit Brüggemann) nicht.
Mutter Vockerat (Susanne Stein) versteht ihren Sohn (Jan Gerrit Brüggemann) nicht.  © Theater Chemnitz/ Dieter Wuschanski

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