Not wird immer schlimmer: Keine Hebamme mehr verfügbar!

Chemnitz - 25 Anrufe, 25 Absagen: Katerine Richter (26) aus Chemnitz ist verzweifelt, denn sie findet einfach keine Hebamme. Und so ergeht es vielen werdenden Müttern im Freistaat.

Katerine Richter (26) mit ihrem Mann David (28) und den beiden Töchtern Scarlett (6) und Robin (3). Ab August sind sie zu fünft.
Katerine Richter (26) mit ihrem Mann David (28) und den beiden Töchtern Scarlett (6) und Robin (3). Ab August sind sie zu fünft.  © Uwe Meinhold

"Seit ich in der siebten Schwangerschaftswoche war, suche ich eine Hebamme", sagt Richter. Im August soll ihr drittes Kind auf die Welt kommen.

"Ich habe 25 Stellen abtelefoniert, keiner konnte mir helfen." Die junge Frau hat bereits zwei Kinder. "Ich hatte eine Hausgeburt, war auch im Geburtshaus Chemnitz. Jetzt werde ich wohl ins Krankenhaus müssen zur Entbindung, weil ich einfach keine Betreuung finde."

Für Stephanie Hahn-Schaffarczyk (40) vom Sächsischen Hebammenverband ist das Problem nicht neu. "Die Not ist groß", sagt sie.

"Die Sommermonate waren schon immer schwierig, da auch die Hebammen Urlaub machen. Aber das Ganze hat sich in den letzten Jahren verschärft."

Wegen teurer Berufshaftpflichtversicherungen oder Stundenlöhnen im Mindestlohnbereich bei freiberuflichen Hebammen hätten einige Kolleginnen den Beruf gewechselt.

"Damit solche Fälle, wie der von Frau Richter, in Zukunft nicht mehr vorkommen, haben wir jetzt in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Staatsministerium eine Koordinierungsstelle geschaffen, die Hebammen und Mütter zusammenbringt." Das Portal hebammen-sachsen.de ist jetzt gestartet. Dennoch müsse mehr für den Beruf getan werden, meint Hahn-Schaffarczyk.

"In zehn Jahren geht ein ganzer Schwung Hebammen in Rente, bis dahin müssen wir eine akademische Ausbildung aufgebaut haben, die Hebammen ein besseres Gehalt und eine Ausbildung auf Arzt-Niveau ermöglicht."

Katerine Richter findet einfach keine Hebamme, die die Geburt ihres dritten Kindes im August betreuen kann.
Katerine Richter findet einfach keine Hebamme, die die Geburt ihres dritten Kindes im August betreuen kann.  © Uwe Meinhold
Stephanie Hahn-Schaffarczyk (40) vom Sächsischen Hebammenverband.
Stephanie Hahn-Schaffarczyk (40) vom Sächsischen Hebammenverband.

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