Chemnitz: Hier wird auch in den Sommerferien gebüffelt

Chemnitz - Nix mit sechs Wochen lang die Beine hochlegen: Chemnitzer Schüler büffeln auch in den Sommerferien, gerade jetzt ist Nachhilfe-Hochzeit. Auch die TU bietet immer mehr Vorbereitungskurse für Studenten.

Kann sich über Arbeit nicht beklagen - ganz im Gegenteil: Yvonne Auerswald (44) vom "Kopf-Laden" auf dem Kaßberg.
Kann sich über Arbeit nicht beklagen - ganz im Gegenteil: Yvonne Auerswald (44) vom "Kopf-Laden" auf dem Kaßberg.  © Maik Börner

"Ich mache mir um Bedarf und Nachfrage derzeit keine Sorgen", sagt Yvonne Auerswald (44). Sie betreibt die Nachhilfe "Kopf-Laden" (Barbarossastraße 71) und stellt bei ihren Schülern immer wieder fest: "Mathe und Englisch sind am meisten nachgefragt."

Kerstin Endesfelder (65) stimmt zu. "70 bis 80 Prozent unseres Nachhilfeunterrichtes hat Mathe als Schwerpunkt. Die sechste Ferienwoche mit je zwei Unterrichtsstunden am Vormittag ist fast voll ausgebucht", so die Inhaberin der beiden Chemnitzer Schülerhilfe-Einrichtungen (Kreherstraße 8, Limbacher Straße 24). Ihre Schlussfolgerung: "Ich sehe hier den Trend des Unterrichtsausfalls."

Der wird gerade in höheren und spezialisierten Schulformen immer gravierender. Vor den Halbjahreszeugnissen Mitte Februar sank die Unterrichtsabsicherung an Chemnitzer Oberschulen um 1,1, an Gymnasien "nur" um 0,3, aber bei Förderschulen um 1,3 und bei den beruflichen Schulzentren gleich um 2,5 Prozent. Derzeit lernen rund 22.000 Schüler in den öffentlichen Chemnitzer Schulen.

Erhöhte Nachfrage auch durch Unterrichtsausfall: Das glaubt jedenfalls Kerstin Endesfelder (65), Inhaberin der Schülerhilfe Chemnitz.
Erhöhte Nachfrage auch durch Unterrichtsausfall: Das glaubt jedenfalls Kerstin Endesfelder (65), Inhaberin der Schülerhilfe Chemnitz.  © Ralph Kunz

Ausfall ist aber nicht die alleinige Ursache des Nachhilfe-Booms. "Anders als vor zehn Jahren, wo Schüler nach den ersten Noten gekommen sind, starten wir jetzt schon vor Beginn des neuen Schuljahres", sagt Werner Weißflog (60), Leiter der beiden Chemnitzer Studienkreis-Standorte (Augustusburger Straße 181, Theaterstraße 56).

Dort wird auch in den letzten beiden Ferienwochen kräftig gebüffelt. Weißflog: "Kinder und Eltern sollen vorher in Ruhe Urlaub machen. Ausschlaggebend für die Nachhilfe ist nämlich meist das letzte Zeugnis." Einen anderen Grund weiß Schülerhilfe-Frau Endesfelder: "Viele kommen auch zur Nachhilfe, um ihre bereits guten Leistungen noch weiter zu verbessern."

Auch Studenten kriegen kräftig Büffel-Hilfe. "Die Technische Universität bietet zur Vorbereitung auf das kommende Wintersemester 2019/2020 Ende September/Anfang Oktober 37 verschiedene Brücken- und Vorbereitungskurse", sagt Pressesprecher Mario Steinebach (55).

Vor allem eine Zunahme von Onlinekursen sei derzeit zu verzeichnen - nachgefragt meist von Studierenden, die noch nicht in Chemnitz. Die TU-Hilfskurse konzentrieren sich auch fast nur auf das eine Themengebiet. Steinebach: "Mathematisches Grundwissen wird eben in vielen Fächern vorausgesetzt - und nicht jeder Abiturient hat den Mathe-Leistungskurs besucht."

Die Chemnitzer Nachhilfe-Einrichtungen sind derzeit gut gebucht, auch die Uni hat eine steigende Nachfrage.
Die Chemnitzer Nachhilfe-Einrichtungen sind derzeit gut gebucht, auch die Uni hat eine steigende Nachfrage.  © PR

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