Die Schattenseiten des Sonnenberg-Booms

Chemnitz – Der Sonnenberg blüht auf - und das bereitet manchen zunehmend Kopfzerbrechen. Während immer mehr Mieter, Gastronomen und Investoren den einstigen Schmuddel-Stadtteil für sich entdecken (TAG24 berichtete), sorgt sich der Stadtteilmanager.

Kristin (34) fühlt sich mit ihren Kindern Charlotte (6), Martha (5 Monate) und ihrem Bruder Dominik (12) seit fünf Jahren auf dem Sonnenberg zu Hause.
Kristin (34) fühlt sich mit ihren Kindern Charlotte (6), Martha (5 Monate) und ihrem Bruder Dominik (12) seit fünf Jahren auf dem Sonnenberg zu Hause.  © Klaus Jedlicka

Durch das Wachstum könnten Anwohner mit kleinem Geldbeutel abgehängt werden.

"Es ist viel in Bewegung, es geht aufwärts mit Sanierungen und Zuzug", sagt Stadtteilmanager René Bzdok (30). "Aber es gibt immer noch Probleme und viele, die an diesem Aufschwung nicht teilhaben können. Diese Menschen dürfen wir nicht vergessen."

Auch bei Facebook sorgte der TAG24-Bericht für Wirbel. Martin Oertel (33) schreibt: "Generell ist es wirklich sehr schön, dass allgemein viele Häuser neu gemacht werden. Aber bezahlbar sind diese Wohnungen dann überhaupt nicht mehr."

Ulrich Weiser (38) vom FOG-Institut für Markt- und Sozialforschung gibt Entwarnung. Explodierende Mieten seien in Chemnitz nicht in Sicht: "Vor zehn Jahren lag der Mietpreis pro Quadratmeter bei 4,12 Euro. 2017 bei 4,72 Euro. Damit ist der Sonnenberg der günstigste Stadtteil."

Eine Gentrifizierung - also den flächendeckenden Umtausch von Mietwohnungen in teure Eigentumswohnungen - gebe es in Chemnitz nirgendwo. "Auch wenn Leute mit Geld auf den Sonnenberg ziehen, gibt es noch genug leere Wohnungen. Darunter leidet keiner."

Vosi-Stadtrat und Lokomov-Besitzer Lars Fassmann (41) sieht die Entwicklung weiter positiv: "Es gibt genügend Platz. Wir haben hier keine Konzentration von Besserverdienenden. So durchmischt sich das Viertel - und das ist gut."

Stadtteilmanager René Bzdok (30) sorgt sich um die Sonnenberg-Bewohner mit wenig Geld.
Stadtteilmanager René Bzdok (30) sorgt sich um die Sonnenberg-Bewohner mit wenig Geld.  © Peter Z
Das Stiefkind wird bunt. Auf dem Sonnenberg werden immer mehr Häuser saniert.
Das Stiefkind wird bunt. Auf dem Sonnenberg werden immer mehr Häuser saniert.  © Klaus Je

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