Wer stoppt die Gewalt am Chemnitzer Sonnenberg?

Der links-alternative Künstler-Club Lokomov liegt an der Ecke 
Augustusburger/Clausstraße.
Der links-alternative Künstler-Club Lokomov liegt an der Ecke Augustusburger/Clausstraße.  © Harry Härtel/Haertelpress

Chemnitz - Sprengstoffanschlag am Sonnenberg. Unbekannte Täter zerstörten in der Nacht zum Dienstag ein Schaufenster am Club Lokomov in der Augustusburger Straße. Grünen-Stadträtin Petra Zais (59) vermutet Mitglieder des „Rechten Plenums“ hinter den Tätern und spricht von "Terrorismus".

Gegen 2 Uhr gab es eine heftige Detonation, "als ob eine Bombe explodiert", sagt Anwohnerin Uta Voigt. Mandy Knospe, Mitinhaberin des Lokals, weiß von einer Zeugin: "Es gab einen Lichtblitz und eine Druckwelle." Die Täter verschwanden unerkannt.

Zwei Nächte zuvor brannte ein Renault in der Humboldtstraße ab. Das Auto gehört angeblich einem Nazi. Vosi-Stadtrat und Lokomov-Besitzer Lars Fassmann (39) spricht jetzt von einem Gegenschlag: 

Lokomov-Chef Lars Fassmann 
befürchtet bürgerkriegsähnliche Zustände am Sonnenberg.
Lokomov-Chef Lars Fassmann befürchtet bürgerkriegsähnliche Zustände am Sonnenberg.  © Klaus Jedlicka

"Es besteht die Gefahr eines Bürgerkriegs. Nazis breiten sich aus im Stadtteil, betrachten ihn als ihren Kiez. Ich sehe Parallelen zum NSU."

Seit Monaten schaukelt sich die Gewalt hoch. Beim Lokomov wurden fünf Mal Scheiben eingeschlagen oder beschmiert. Dazu die Angriffe auf das Bürgerbüro der Linken. Vorige Woche schlugen die Linken verbal zurück, nannten im Internet Namen und Adressen von Nazis.

Das Operative Abwehrzentrum (OAZ) der Polizei übernahm die Ermittlungen am Lokomov. Sprecherin Kathleen Doetsch: "Ein politisches Motiv ist nicht auszuschließen." Welcher Sprengstoff verwendet wurde, ist offen. Das OAZ sicherte den Inhalt der Müllcontainer, um Spuren zu finden.

Petra Zais verurteilt "die Welle der Gewalt von beiden Seiten", meint aber: "Die Gesellschaft kann einen Nazikiez am Sonnenberg nicht tolerieren. Wir erwarten mehr Polizeipräsenz."

Das Operative Abwehrzentrum der Polizei ermittelt.
Das Operative Abwehrzentrum der Polizei ermittelt.  © Lars Fassmann
Der Sprengkörper zerstörte eine Scheibe und den Fensterrahmen. Schaden: rund 
2 500 Euro.
Der Sprengkörper zerstörte eine Scheibe und den Fensterrahmen. Schaden: rund 2 500 Euro.  © Lars Faßmann