Ihr braucht Bauakten? Zehn Wochen Wartezeit!

Nino Kämpf ist der Buchbinder vom Stadtarchiv. Er hegt und pflegt die alten Schätze.
Nino Kämpf ist der Buchbinder vom Stadtarchiv. Er hegt und pflegt die alten Schätze.  © Peter Zschage

Chemnitz - Papier ist geduldig. Investoren nicht. Der Bauboom in Chemnitz sorgt im Stadtarchiv für Stau. Die Grünen haben eine Idee, um die Warteschlange zu verkleinern.

Grundrisse, Baupläne, Hausanschlüsse: Investoren entdecken Chemnitz und wollen schnell alle Informationen.

Wegen des Andrangs haben sich die Wartezeiten auf Einsicht in die Bauakten verlängert, so die Antwort auf eine Anfrage von Stadtrat Thomas Lehmann (49, Grüne). "Die Wartezeit auf einen Termin erhöhte sich seit April 2016 auf acht bis zehn Wochen."

2014 bearbeitete das Bauakten-Archiv 532 Anfragen. Im Vorjahr stieg die Zahl auf knapp 800. "Es gibt Großinvestoren, die Unterlagen zu mehreren Objekten an möglichst einem Tag einsehen wollen", sagt Sozialdezernent Philipp Rochold (55, parteilos).

"Privatpersonen, die unter Zeitdruck stehen, weil sie Immobilien erwerben wollen, kommen dazu." Tendenz: weiter steigend.

Lehmann will den Stau auflösen: "Wir fordern die Verwaltung auf, Fachkräfte im Bauakten-Archiv einzustellen." Derzeit hat die Dienststelle nur zwei Mitarbeiter. "Die erhöhten Kosten können zum größten Teil auf die Verwaltungsgebühren umgelegt werden. Für Millionen-Vorhaben fallen diese Kosten nicht ins Gewicht. Zeit ist hier Geld."

Beschaulicher geht es im "Gedächtnis" der Stadt zu. Die öffentlich zugänglichen Akten im Stadtarchiv sind eine wahre Schatzkammer. "Zu uns kommt, wer seine Familiengeschichte erforschen will oder die Spuren längst verschwundener Gebäude verfolgt", sagt Leiter Dr. Paolo Cecconi (33).

Das Interesse der Chemnitzer an der Geschichte ihrer Stadt ist ungebrochen: Rund 2.300 Anfragen werden pro Jahr ans Stadtarchiv gestellt.

Titelfoto: Peter Zschage


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