Studie: Fast die Hälfte der Chemnitzer nehmen Migranten als Bedrohung wahr

Chemnitz - Nach dem Tötungsdelikt an Daniel H. kam es im August und September letzten Jahres zu massiven Protesten und Ausschreitungen. Nun veröffentlichte die TU Chemnitz eine Studie, die aufzeigt, wie positiv bzw. negativ die Chemnitzer ein Jahr nach der Tat die Migration in ihrer Stadt wahrnehmen.

Eine Kopftuch tragende Frau laeuft am 14.5.2019 die Innere Klosterstrasse in Chemnitz entlang.
Eine Kopftuch tragende Frau laeuft am 14.5.2019 die Innere Klosterstrasse in Chemnitz entlang.  © Kristin Schmidt

Im Rahmen der Studie wurden 500 Chemnitzer ab 18 Jahren und ohne Migrationshintergrund befragt.

Die Personen wurden "zu ihrer Wahrnehmung der Proteste und Gegenproteste, Sicherheits- und Bedrohungswahrnehmungen, Kontakten zu Personen mit Migrationshintergrund und weiteren politischen sowie gesellschaftlichen Einstellungen befragt", heißt es in der Studie.

Die Forscher fanden heraus, dass die Wahrnehmung von Migranten in Chemnitz positiver ist, als man annehmen mag. 40 Prozent der Befragten sagten, dass sie relativ häufig gute Erfahrungen mit Migranten gemacht haben. Lediglich sieben Prozent gaben an, negative Erfahrungen mit Zuwanderern gemacht zu haben.

Aber: 45 Prozent der Befragten gaben an, Ausländer als Bedrohung wahrzunehmen. Damit verbunden ist das sinkende Sicherheitsgefühl der Chemnitzer. "Diese Wahrnehmung von Personen mit Migrationshintergrund als Bedrohung hängt deutlich mit der Bereitschaft, sich an Protesten wie denen im Spätsommer 2018 zu beteiligen, zusammen", heißt es in der Studie.

Die Studie fand zudem heraus, dass "Fremde" um so mehr als Bedrohung gesehen wurden, je mehr die befragten Personen sich mit ihrer sächsischen Herkunft identifizieren.

Die Forscher sind sich sicher: Mehr Kontakt zu Migranten soll die Bedrohungswahrnehmungen reduzieren. Damit sollen letztlich auch rechtsgesinnte Proteste abgeschwächt werden.

Das dürfte in Chemnitz aber nicht so einfach werden: Der derzeitige Anteil ausländischer Personen liegt bei 8,5 Prozent (2019). Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt sind es 11,7 Prozent (Statistisches Bundesamt, 2018).

Nach dem Tötungsdelikt an Daniel H. kam es im August/September 2018 zu massiven Protesten und Ausschreitungen.
Nach dem Tötungsdelikt an Daniel H. kam es im August/September 2018 zu massiven Protesten und Ausschreitungen.  © Andreas Kretschel

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