Schock-Studie: "Die Stadt lebt noch in der Steinzeit"

Chemnitz - Das Internet-Zeitalter geht am Chemnitzer Rathaus weitgehend vorbei - die Bürger können hier kaum einen digitalen Service nutzen.

Papierflut im Chemnitzer Rathaus: Bürger können die Services noch nicht online nutzen.
Papierflut im Chemnitzer Rathaus: Bürger können die Services noch nicht online nutzen.  © Klaus Jedlicka

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW, Köln) strafte Chemnitz deshalb ab und setzte die Verwaltung in einem Digital-Vergleich unter 100 großen Städten auf Platz 91.

Experte Lars Fassmann (41) schimpft: "Die Stadt hat das Thema elektronische Formulare 25 Jahre lang verschlafen. Selbst einen Hund kann der Chemnitzer zwar per Fax, aber nicht per E-Mail abmelden. Andere Städte überholen uns und sichern sich einen riesigen Wettbewerbsvorteil."

Vanessa Hünemeyer (31) arbeitete an der IW-Studie mit und ist fassungslos: "Bürger müssen in Chemnitz noch für jede Dienstleistung aufs Amt. Zwar stellt die Stadt Informationen ins Internet, aber der Bürger kann von zu Hause nur wenig erledigen, nicht mal Termine reservieren."

Das ärgert auch den Haus- und Grundbesitzerverein Deutschland, der die Studie in Auftrag gab. Sprecher Gordon Gross (42): "Chemnitz wäre mit 41 von 100 möglichen Punkten in der Schule durchgefallen. Die Stadt lebt noch in der digitalen Steinzeit, stiehlt ihren Bürgern Zeit und Nerven."

Soziologe Ulrich Weiser (39): "Chemnitz hängt zurück."
Soziologe Ulrich Weiser (39): "Chemnitz hängt zurück."  © Thoralf Lippmann/FOG-Institut

"Chemnitz hängt zurück", klagt auch Ulrich Weiser (39) vom Fog-Institut. "Das Rathaus müsste analoge Prozesse digital denken. Stattdessen stelle die Verwaltung Statistiken als pdf ins Netz. "Wenn wir die Zahlen nutzen wollen, müssen wir sie per Hand abschreiben."

Die Stadt räumt auf TAG24-Anfrage "Verbesserungspotenzial" ein. Darum habe sie mit anderen Kommunen die KOMM24 GmbH gegründet.

Noch 2020 sollen erste Online-Leistungen erscheinen - zum Beispiel für die Anmeldung von Hunden.

Lars Fassmann (41) schimpft: "Thema verschlafen!"
Lars Fassmann (41) schimpft: "Thema verschlafen!"  © Kristin Schmidt

Titelfoto: Montage: Klaus Jedlicka, 123RF

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