Tödliche Messerstecherei in Chemnitz: So begründet das Gericht das Urteil gegen Alaa S.

Chemnitz - Im August fiel das Urteil im Prozess um die tödliche Messerstecherei beim Chemnitzer Stadtfest 2018. In der Nacht zum 26. August wurde der Chemnitzer Daniel H. (35) mit mehreren Messerstichen getötet. Das Landgericht verurteilte den Angeklagten Alaa S. (24) zu neuneinhalb Jahren Gefängnis. Nun liegt die schriftliche Urteilsbegründung vor.

Alaa S. wurde im August zu neuneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
Alaa S. wurde im August zu neuneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.  © Ove Landgraf

Die Beweislage in dem Fall war schwierig, da es keine DNA-Spuren oder Blutanhaftungen gab. Wie der Focus, dem das 45-seitige Dokument exklusiv vorliegt, berichtet, hegt das Gericht aber "keinen Zweifel" an der Täterschaft von dem 24-Jährigen. "In der Gesamtwürdigung der in der Hauptverhandlung ausgeschöpften Beweise besteht kein Zweifel an der Schuld des Angeklagten." Eine Spurenübertragung vom Opfer auf den Täter, oder umgekehrt, müsse nicht zwingend stattgefunden haben, das sei von früheren Fällen bekannt, so das Gericht.

Die Täterschaft ergebe sich vor allem durch glaubhafte Zeugenangaben, die unter anderem durch Kriminaltechnische-Untersuchungen und die Rechtsmedizin gestützt würden.

Entscheidend war für das Gericht die Aussage von Dönerverkäufer Younes N., der die Tat beobachtet hatte. Seinen Schilderungen zufolge hätte der Angeklagte "stichartige Bewegungen" in Richtung des Opfers gemacht. In insgesamt vier Vernehmungen gab N., der bis heute unter Polizeischutz steht, den Tathergang so an. Das es sich bei den Bewegungen um Schläge gehandelt haben könnten, schloss die rechtsmedizinische Untersuchung aus. An der Leiche von Daniel H. wurden nur Stichverletzungen festgestellt. Weitere Zeugen hätten ähnliche Aussagen wie der Döner-Verkäufer gemacht.

Gericht schließt Falschaussage aus

Am Tatort in der Brückenstraße in Chemnitz erinnert eine Gedenkplatte an Daniel H.
Am Tatort in der Brückenstraße in Chemnitz erinnert eine Gedenkplatte an Daniel H.  © Maik Börner

Im Laufe der Zeit wich N. von seiner Schilderung ab und verhielt sich verunsichert, was zu Zweifeln an der Aussage führte. Für das Gericht fiel das aber nicht ins Gewicht. Das Verhalten sei auf versuchte Einflussnahme "aus dem Umfeld des Angeklagten" zurückzuführen.

Eine Falschaussage wurde ausgeschlossen. Der Focus zitiert aus dem Gerichtsdokument: "Unter Berücksichtigung seiner intellektuellen Begabung – es handelt sich um eine einfach strukturierte Person – ist die Konstruktion einer Falschaussage ausgeschlossen."

Bei der Frage um die Anzahl der Tatwaffen legt sich das Gericht nicht fest. Der Angriff soll mit zwei Messern ausgeführt worden sein, gefunden wurde bislang aber nur eines.

Die Verteidigung hatte Freispruch für Alaa S. gefordert und war direkt nach dem Urteil am 22. August in Revision gegangen. Bis Ende November muss die Revision begründet werden.

In der Nacht zum 26. August 2018 war es am Rand des Stadtfestgeländes zu der tödlichen Messerstecherei gekommen. Alaa S. soll den Chemnitzer Daniel H. gemeinsam mit einem Iraker, der sich auf der Flucht befindet und nach dem weltweit gesucht wird, erstochen und einen weiteren Mann schwer verletzt haben. Im März war der Prozess gegen den Syrer gestartet (TAG24 berichtete).

Titelfoto: Ove Landgraf

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