Trauriger Trend: Immer mehr Unfallfahrer hauen einfach ab

Chemnitz - Rumms - und dann einfach weg!? In Sachsen wurden zuletzt immer mehr Fahrer wegen Unfallflucht verurteilt. Laut Statistischem Landesamt stieg die Zahl derer, die deswegen vor Gericht belangt worden, von 2013 bis 2017 von gut 2400 auf mehr als 2500 an.

Erst 20 Jahre jung war die Frau, die im Dezember nach einem Unfall auf der Chemnitzer Georgstraße verstarb. Auch hier gab es eine Unfallflucht.
Erst 20 Jahre jung war die Frau, die im Dezember nach einem Unfall auf der Chemnitzer Georgstraße verstarb. Auch hier gab es eine Unfallflucht.  © Harry Härtel

Auch in Chemnitz und Umgebung gibt es jedes Jahr Dutzende Fälle. Zwei Beispiele:

• Mitte Februar fuhr im vogtländischen Oelsnitz ein 19-Jähriger im Citroen zwei Kinder (6 und 12) an, türmte. Erst Stunden später meldete er sich - noch immer angetrunken.

• Am 19. Dezember wurde in der Chemnitzer Georgstraße eine Fußgängerin angefahren, die dabei vor ein weiteres Auto geschleudert wurde und beim Unfall verstarb. Die Verursacherin flüchtete. Dank Videoaufzeichnungen wurde später eine Verdächtige ermittelt.

Der Clubsyndikus des ADAC Sachsen, Rechtsanwalt Thomas Kuhne aus Leipzig, warnt: Viele Unfallflüchtigen wüssten nicht, welche Konsequenzen ihnen drohten, selbst wenn der verursachte Schaden nicht groß war. "Einen Zettel hinter den Scheibenwischer - das ist nicht genug", betont Kuhne.

Bei einem Schaden von mehr als 1300 Euro drohten eine Geldstrafe in Höhe von etwa zwei Monatseinkommen, drei Punkte in der Flensburger Verkehrssünder-Datei sowie der Entzug der Fahrerlaubnis.

Auf dieser Oelsnitzer Straße wurden vor etwa einem Monat zwei Kinder angefahren. Der Fahrer türmte.
Auf dieser Oelsnitzer Straße wurden vor etwa einem Monat zwei Kinder angefahren. Der Fahrer türmte.  © Uwe Meinhold

"Die ist dann richtig weg, muss regelrecht neu erteilt werden. Das ist erst nach sechs oder gar zwölf Monaten möglich." Bei Schäden unter 1300 Euro werde die Fahrerlaubnis nicht entzogen, aber mit einer Geldstrafe, einem dreimonatigen Fahrverbot und zwei Punkten müsse der Verurteilte rechnen, sagt Kuhne.

Der Anwalt empfiehlt: "Auch wenn der Schaden gering scheint - Polizeinotruf 110 anrufen und fragen, was zu tun ist." Dann werde in der Regel zunächst nur ein Verwarngeld von 35 Euro fällig.

Bei einer Unfallflucht ist nach Einschätzung des Chemnitzer Verkehrspsychologen Bernd Wiesner in etwa drei Viertel der Fälle Alkohol im Spiel. "Manche fahren sogar nach Hause, warten bis Alkohol nicht mehr nachgewiesen werden kann und stellen sich dann."

Verantwortliches Verhalten sieht anders aus.

Ein Zettel mit der Aufschrift "Bitte melden Sie sich bei uns. Ich bin ganz leicht gegen ihr Auto gerollt", klemmt an einem PKW hinter einem Scheibenwischer.
Ein Zettel mit der Aufschrift "Bitte melden Sie sich bei uns. Ich bin ganz leicht gegen ihr Auto gerollt", klemmt an einem PKW hinter einem Scheibenwischer.  © Jens Wolf/ZB/dpa

Titelfoto: Harry Härtel, imago/Gottfried Czepluch

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