Hier nimmt Chemnitz Abschied von seinem Türmer

Bei strahlendem Sonnenschein wurde die Urne gestern auf dem St. Nikolai-Friedhof aus der Kapelle zum Grab getragen.
Bei strahlendem Sonnenschein wurde die Urne gestern auf dem St. Nikolai-Friedhof aus der Kapelle zum Grab getragen.

Von Ronny Licht

Chemnitz - Großer Andrang auf dem Friedhof der St. Nikolai-Kirche. Mehr als 250 Freunde, Verwandte und Weggefährten nahmen am Donnerstag in einer bewegenden Zeremonie zwei Stunden lang Abschied vom verstorbenen Chemnitzer Türmer Stefan Weber (1942 - 2015).

Am 15. Mai hatte das Herz des Chemnitzer Originals aufgehört zu schlagen. 24 Jahre lang war er Türmer im Rathaus, führte rund 200.000 Besucher durchs Gebäude, hielt etwa 300 Vorträge und war zwei Mal Gastgeber für das „Europäische Treffen der Türmer und Nachtwächter“.

Sein Lebensgefährte Alexander Albrecht (71) erinnerte sich im MOPO24-Gespräch am Urnengrab mit einem Lächeln: „Stefan war ein toller Mensch. Er wünschte sich eine christliche klassenlose Gesellschaft. Er war so bescheiden, gab alles für andere aus. Ich freue mich, dass heute so viele ehrliche Freunde gekommen sind.“

OB Barbara Ludwig (53) nahm mit rund 250 weiteren Gästen Abschied vom Chemnitzer Türmer Stefan Weber (†72).
OB Barbara Ludwig (53) nahm mit rund 250 weiteren Gästen Abschied vom Chemnitzer Türmer Stefan Weber (†72).

Auch Türmer-Kollegen aus Helmstedt (Niedersachsen), Thum, Zwönitz und Schwarzenberg bildeten ein Spalier. Aus dem Rathaus waren Vertreter aller Fraktionen erschienen, allen voran Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (53, SPD).

Unter den Klängen von Johann Sebastian Bachs „Fantasie c-Moll“ würdigte der Super-Intendent der Chemnitzer Kirchen, Andreas Conzendorf (62), den Verstorbenen: „Als Türmer stand er im Licht, als Mensch war er gern im Hintergrund.“

Seine letzte Ruhe fand Stefan Weber im Familien-Urnengrab, nicht weit entfernt von der Ruhestätte des ehemaligen Chemnitzer Oberbürgermeisters Dr. Joachim Pilz (1932 - 2012).

In einer sehr emotionalen Rede gab Barbara Ludwig mit tränenerstickter Stimme dem Chemnitzer Original noch ein paar persönliche Worte mit auf den Weg und versprach: „Stefan, jetzt passen wir hier unten auf Dein Chemnitz auf.“

Am Kapellen-Eingang erinnerte ein Foto an den beliebten Chemnitzer, mehrere Kondolenzbücher waren ausgelegt.
Am Kapellen-Eingang erinnerte ein Foto an den beliebten Chemnitzer, mehrere Kondolenzbücher waren ausgelegt.

Fotos: Harry Härtel


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