Türmerwohnung steht leer! Wer hier wohnen will, muss 128 Stufen in Kauf nehmen

Chemnitz - In Chemnitz sind viele Wohnungen frei. Darunter die höchstgelegene der Stadt: Die Räume des früheren Türmers Stefan Weber (†72) im Turm der Schlosskirche wartete zwölf Jahre lang auf neue Mieter. Jetzt hat die Kirche für das historische Gemäuer eine neue Nutzungsidee.

Die Kirchenwohnung befindet sich auf Uhren-Höhe.
Die Kirchenwohnung befindet sich auf Uhren-Höhe.  © Ralph Kunz

128 Stufen sind zu erklimmen bis zur 78 Quadratmeter großen Wohnung.

Schon die sind ein Erlebnis, weiß Pfarrerin Gabriele Führer (57): "Die Wendeltreppe beginnt aus Stein, geht oben in eine Stahlkonstruktion über - typisch für die Bauzeit Ende des 19. Jahrhunderts."

Die Wohnung ist abgewohnt. Scheckiger Linoleumboden, fleckige Hochdecke, die Wände vernarbt.

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In den drei Räumen wurde seit dem Auszug Webers 2007 nichts verändert. Eine gelbe Lampe schaukelt an der Decke, die Gamat-Heizung versprüht DDR-Charme.

In der Küche liegen zwei Boiler unter dem Waschbecken und der Doppelspüle, spärlich beleuchtet durch ein Oberlicht. Grandios indes ist der Ausblick auf Klinikum und Eins-Esse.

Zuletzt lebte hier Stefan Weber, der letzte Chemnitzer Türmer, von 1970 bis 2007.

Gabriele Führer erinnert sich: "Herr Weber hatte einen Flaschenzug am Schlossturm. Und wenn jemand klingelte, sprach er oben in ein Rohr, das unten an der Tür endete."

Ein neuer Mieter wird inzwischen nicht mehr gesucht. Dafür gibt es eine neue Idee: Gabriele Führer möchte die Erinnerung an den Chemnitzer Türmer-Tradition hochhalten und feilt nun an einem Konzept für eine Ausstellung inmitten der alten Türmer-Wohnung.

In diesen drei Räumen über der Schloßkirche lebte der Türmer Stefan Weber († 72).
In diesen drei Räumen über der Schloßkirche lebte der Türmer Stefan Weber († 72).  © Ralph Kunz
Architektur für Schwindelfreie: Pfarrerin Gabriele Führer (57) auf der Wendeltreppe.
Architektur für Schwindelfreie: Pfarrerin Gabriele Führer (57) auf der Wendeltreppe.  © Ralph Kunz

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