80 Kündigungen: Hier trauern die letzten Unioner um ihre Firma

Chemnitz - Das Ende kam kurz vor Weihnachten: Knapp 80 der letzten 100 Mitarbeiter der Chemnitzer Maschinenbaufabrik Union erhielten am Donnerstag ihre Kündigung.

Dieses Werkstück haben Maschinen gemacht, die er konstruiert hatte: Volker Schiedung (60) bekam jetzt die Kündigung.
Dieses Werkstück haben Maschinen gemacht, die er konstruiert hatte: Volker Schiedung (60) bekam jetzt die Kündigung.  © Maik Börner

Der Betrieb wird nach 167 Jahren zum Wochenende geschlossen. Am Freitagnachmittag trafen sich einige Unioner vor dem Werkstor, um vom Traditionsbetrieb Abschied zu nehmen.

Volker Schiedung (60) war seit 1985 als Konstrukteur an Bord. Mit kurzen Unterbrechungen 30 Jahre.

Er entwarf Spindelkästen für Maschinengetriebe. Diese bauten Maschinen, deren Produkte heute weltweit im Einsatz sind, bei Siemens oder bei Windrad-Herstellern. "Die Union war mein Schicksal", sagt Schiedung. "Die Firma war mein Leben, mit ihr war ich verwachsen. Die Kündigung ist ein Scheißgefühl."

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Die Siegener Herkules-Gruppe übernahm die Union 2011, wirtschaftete das florierende Unternehmen in kurzer Zeit tief in die roten Zahlen. Jetzt ist Schluss. Kerstin Zimmermann (55), Konstrukteurin seit 1996, wird den Moment nie vergessen: "Gegen 10 Uhr lief die Chefsekretärin durch die Hallen, verteilte braune Couverts.

Darin die Kündigung und Freistellung - ohne Dank für unsere Arbeit. Wir werden abserviert und bekommen zum Schluss einen Tritt."

Nur 19 Unioner bleiben zurück, führen Vertrieb und Service fort. Trotzig hielten die Mitarbeiter ein Plakat hoch. Darauf die Fotos von 42 ihrer Kinder in Union-Shirts.

"Die Firma hat uns nicht nur unsere Arbeitsplätze genommen, sondern auch die Zukunft", rief einer.

Ein Plakat mit 42 Fotos ihrer Kinder hielten Union-Mitarbeiter vor dem Werkstor hoch.
Ein Plakat mit 42 Fotos ihrer Kinder hielten Union-Mitarbeiter vor dem Werkstor hoch.  © Maik Börner

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