Sind unsere Studenten faul? Immer weniger besuchen Vorlesungen

Chemnitz - Sind unsere Studenten einfach zu faul? "Nein", sagt René Bochmann (32) von der TU Chemnitz. Aber warum besuchen dann immer weniger die Vorlesungen? Das hat er jetzt erforscht.

TU-Forscher René Bochmann weiß, warum immer weniger Studenten die Vorlesungen besuchen.
TU-Forscher René Bochmann weiß, warum immer weniger Studenten die Vorlesungen besuchen.  © TU Chemnitz/Lili Hofmann

Zu langweilig, zu veraltet, zu wenig interaktiv! "Vorlesungen werden signifikant seltener besucht, als Seminare. Meine Studie hat gezeigt, dass sich Studierende mehr Teilhabe und Interaktivität im Unterricht wünschen, als das in den klassischen Formaten wie Vorlesung und Seminaren mit Referaten aktuell möglich ist", sagt der Lehrbeauftragte an der Professur für Pädagogische und Entwicklungspsychologie. Im Kern müssten die Vorlesungen einfach interessanter werden, aber wie?

Rund 2.000 Studierende an 42 Hochschulen wurden befragt, dazu knapp 1.000 Hochschullehrer. Das Ganze geschah über einen Zeitraum von vier Jahren, unter anderem per Fragebogen. Dafür war Bochmann zum Beispiel auf dem Campus der jeweiligen Hochschule vor Ort und sprach auch mit Studierenden, die während der Vorlesungen nicht im Hörsaal waren und daher vermutlich dem Unterricht bewusst fernblieben.

Veraltete Lehrmethoden, Frontalunterricht, Lehrmittel, die online bereitgestellt werden ... "Alles Dinge, die Studenten davon abhalten, zur Vorlesung zu kommen." Bochmann fordert von seinen Kollegen mehr Innovation. "Gruppenarbeiten, praxisnahe Beispiele, mehr digitale Lerninhalte - so bekommt man die Studierenden wieder in die Uni", sagt Bochmann.

„Dozenten und Dozentinnen sollten künftig weniger klassisch als Lehrerin oder Lehrer im Frontalunterricht auftreten, sondern mehr als Coach und Beraterin oder Berater, die Studierende in ihrem jeweils eigenen Lernprozess begleiten und unterstützen.“

Die Lehrveranstaltungen an deutschen Universitäten, müssten sich langfristig verbessern. Konkret könnten moderne und digitale Lehrmethoden wie „Inverted Classroom“ trotz online verfügbarer Inhalte helfen. Dabei werden die Lerninhalte Zuhause erarbeitet oder in Kleingruppen anhand von Texten und Videos, später dann in Präsenzveranstaltungen anhand von Beispielen aus der Praxis angewendet und so vertieft.

"Die jungen Leute wollen keine rein passiven Wissenskonsumenten mehr sein, sondern selbst Einfluss nehmen und den Unterricht mitgestalten“, meint der Forscher.

Ein detailliertes Fazit zur Studie gibt’s übrigens hier.

Bei Vorlesungen werden die Hörsäle immer leerer.
Bei Vorlesungen werden die Hörsäle immer leerer.  © Frank Harnack

Titelfoto: Frank Harnack

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