Kaum aufgehängt, schon beschmiert, überklebt und abgerissen

Ein überklebtes Wahlplakat der Grünen an der Leipziger Strasse / Konkordiapark.
Ein überklebtes Wahlplakat der Grünen an der Leipziger Strasse / Konkordiapark.

Chemnitz - Zerfetzte Porträts, besprühte Plakate, sinnentstellte Slogans: Im Wahlkampf scheinen die Sitten rauer zu werden. Ganze Straßenzüge ähneln einer ausgeweiteten politischen Kampfzone. Die Chemnitzer Bundestags-Aspiranten haben es schwer, ihre Porträts und Ansichten unters Volk zu bringen.

In der Nacht traf es den CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich (53). Nach einer Info-Veranstaltung fand er an der Hartmannstraße eines seiner Großflächenplakate völlig zerstört. "Ich wäre fast drüber gefahren und habe die Polizei gerufen. Nicht wegen der Zerstörung. Aber Teile des Plakates lagen auf der Straße. Eine Gefahr für Auto- und Radfahrer."

Auch FDP-Mann Frank Müller-Rosentritt (35) kann ein Lied von blinder Zerstörungswut an seinen Wahlplakaten singen: "Dieser Vandalismus ist für mich Ausdruck eines schlechten Demokratieverständnisses."

Es mangle den Tätern an Respekt vorm politischen Gegner, so der Liberale. Andere Meinungen müsse man zulassen und. "Ich würde ja auch nie ein Nico-Köhler-Plakat herunterreißen, nur weil mir dessen Ansichten nicht passen." Köhler (41) ist Direktkandidat der AfD.

Die Polizei hat ein Auge auf Wahlplakat-Zerstörer. "Wird es uns angezeigt, ermitteln wir wegen des Verdachts auf Sachbeschädigung", sagt Sprecher Rafael Scholz (36).

Das Dezernat 5, polizeilicher Staatsschutz, werde in die Ermittlungen einbezogen. Wer wegen einer Sachbeschädigung verurteilt wird, muss mit einer Geldstrafe bis maximal fünf Jahren Gefängnis rechnen.

Christian Lindner am Boden: In der Rechsstraße wurden FDP-Plakate heruntergerissen.
Christian Lindner am Boden: In der Rechsstraße wurden FDP-Plakate heruntergerissen.  © Sven Gleisberg
Frank Heinrich (CDU) versuchtdas Plakat an der Hartmannstrasse notdürftig zu reparieren
Frank Heinrich (CDU) versuchtdas Plakat an der Hartmannstrasse notdürftig zu reparieren  © Sven Gleisberg

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