MOPO24-Test: Ich bin nüchtern besoffen Auto gefahren

Tim Mak (19, r.) probierte unter Anleitung von Polizeimeister Maik Pahl (32) die Schutzausrüstung an.
Tim Mak (19, r.) probierte unter Anleitung von Polizeimeister Maik Pahl (32) die Schutzausrüstung an.  © Uwe Meinhold

Chemnitz - Einmal im Jahr machen Chemnitzer Behörden (fast) allesmöglich: im Feuerwehrauto Platz nehmen, ins Cockpit eines Einsatz-Hubschraubers schauen oder sich unter den Augen der Polizei „betrunken“ ans Steuer setzen - kein Problem beim Behördenfest.

Rund 8500 Chemnitzer besuchten in diesem Jahr die Sause im Wasserschloss Klaffenbach.

Bei Werner Helfen (59) vom Bund gegen Alkohol und Drogen am Steuer konnten Besucher ihre Fahrkünste im Promille-Simulator testen.

Eine berauschende Erfahrung - wie MOPO24-Redakteurin Mandy Schneider (45) im Selbstversuch feststellt:

Unter den Augen von Hauptkommissarin Karla Schubert (54) fährt MOPO24-Redakteurin Mandy Schneider (45) mit 1,6 Promille.
Unter den Augen von Hauptkommissarin Karla Schubert (54) fährt MOPO24-Redakteurin Mandy Schneider (45) mit 1,6 Promille.  © Uwe Meinhold

"Ich nehme in dem kleinen, roten Einpersonen- Flitzer Platz, schnalle mich an, schaue auf die im Bildschirm eingeblendete Straße und gebe Gas. Der Simulator gaukelt mir 0,5 Promille vor und setzt meine Reaktionen erst mit 0,3 Sekunden Verzögerung um. Nicht viel, doch an einer roten Ampel komme ich erst auf der Kreuzung zum Stehen. Also, Vorsicht! Bei simulierten 1,6 Promille verschwimmt der Film am Außenrand des Bildschirms und verengt mein Sichtfeld. Ich fahre wie in einem Nebeltunnel und so sehr im Zickzack, dass mir schwindlig wird. Ich verlasse vier Mal die Fahrbahn, rausche ungebremst in den Gegenverkehr."

Mit wackligen Knien lasse ich mir von Werner Helfen erklären, was passiert ist: "Bei 1,6 Promille verzögert sich die Reaktionszeit um mehr als eine Sekunde." Wäre da die strikte Null-Promille-Grenze besser? Helfen kontert: "Dann müssten Sie auch Pflaumenkuchen mit Apfelsaft meiden - die Kombination verursacht eine geringe, aber nachweisbare alkoholische Gärung." 

Der vermeintliche Fahr- Spaß hat einen ernsten Hintergrund: Voriges Jahr erwischte die Polizei bei Kontrollen allein in Chemnitz 244 betrunkene Fahrer. 92 Unfälle ereigneten sich unter Alkoholeinfluss.

Titelfoto: Uwe Meinhold


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