Das sind die Lieblingsorte der Chemnitzer Gästeführerinnen

Chemnitz - Touristen-Führer kennen Chemnitz wie ihre Westentasche. Wer mit ihnen unterwegs ist, erfährt auch als Einheimischer noch eine Menge Neues. Mehr als 70 verschiedene Touren bietet der Verein der Gästeführer Chemnitz an. Am kommenden Wochenende stellen Chemnitzer Gästeführer ihre liebsten Fleckchen der Stadt vor. Die Gratis-Touren finden anlässlich des Weltgästeführertages statt, der diesmal unter dem Motto "Lieblingsorte" stattfindet.

Unsere 1. Badewanne

Veronika Leonhardt (61) plaudert aus der mehr als 500-jährigen Geschichte der Schlossteichanlagen: "Der einstige Karpfenteich für das Kloster wandelte zur älteste Grünanlage der Stadt. Der Aufschwung zum beliebten Erholungsgebiet kam im 19. Jahrhundert, mit Gondelfahrten und Motorbootrennen. Sogar Schwimm-Meisterschaften mit 15 000 Zuschauern fanden hier statt." Der Teich diente auch als öffentliche Badewanne: "Am Zufluss des Pleißenbaches gab es die 1. öffentliche Waschanlage der Stadt." Treffpunkt ist Sonnabend (22.2.) 11 Uhr am Milchhäuschen.

Veronika Leonhardt (61) erzählt Anekdoten über den Schlossteich, der einst als öffentliche Badewanne galt.
Veronika Leonhardt (61) erzählt Anekdoten über den Schlossteich, der einst als öffentliche Badewanne galt.  © Sven Gleisberg

Schauriger Pestfriedhof

"Wenn diese Bäume reden könnten, hätten sie viel zu erzählen", sagt Edeltraud Höfer (64), die den Park der Opfer des Faschismus vorstellt: "Hier war der Pestfriedhof der Stadt. Da gibt es Schauriges zu erzählen. Genauso wie über die alte Pathologie und das Hospital St. Georg, die hier ihren Standort hatten." Mysteriöse Geschichten rankten sich auch jahrzehntelang um den Brand des Schauspielhauses 1976, der der Stasi angedichtet wurde. "Tatsächlich war ein gefährliches Blitzlicht schuld, das zur ersten Rückrufaktion der DDR führte", weiß die Gästeführerin. Treffpunkt ist Sonnabend 16 Uhr am Schauspielhaus.

Gästeführerin Edeltraud Höfer (64) leitet am Sonnabend durch den Park der Opfer des Fachismus.
Gästeführerin Edeltraud Höfer (64) leitet am Sonnabend durch den Park der Opfer des Fachismus.  © Sven Gleisberg

Glösaer Schmuckstück

Die Glösaerin Ramona Wagner (62) nimmt die Besucher mit auf einen Rundgang durch ihren Stadtteil: "Hier steht das älteste Haus von Chemnitz. Das Pfarrhaus wurde um 1500 erbaut und ab November 1522 verbrachte der vorletzte Chemnitzer Abt hier seinen Ruhestand. Das sanierte Gebäude ist noch heute ein Schmuckstück." Doch Glösa hat nicht nur Beschauliches zu bieten. "Der Stadtteil hatte seinen eigenen Bierkrieg, in dem sich zwei Wirte das Leben schwer machten - bis einer schließlich aufgeben musste." Treffpunkt ist am Sonntag, 13.30 Uhr, am Pfarrhaus, Kirchberg 2.

Die Glösaerin Ramona Wagner (62) führt ab 13.30 Uhr durch ihren eigenen Stadtteil.
Die Glösaerin Ramona Wagner (62) führt ab 13.30 Uhr durch ihren eigenen Stadtteil.  © Kristin Schmidt

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