Kunstaktion sorgt weiter für Ärger: Nun sprechen die Aktivisten und kritisieren die Polizei

Chemnitz - Die umstrittene Aktion des Künstlerkollektivs "Zentrum für politische Schönheit" gegen mutmaßliche Beteiligte an ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz sorgt weiter für Gesprächsstoff.

An einem Laden im Rosenhof hingen "Fahndungsplakate".
An einem Laden im Rosenhof hingen "Fahndungsplakate".  © Peter Zschage

Die Gruppe kritisierte am Dienstag das Vorgehen gegen das Büro des Zentrums in Chemnitz scharf. Die Polizei habe sich der "Meinung des Mobs" gebeugt und nach deren Forderungen gehandelt, nicht aber auf einer rechtlichen Grundlage, sagte eine Sprecherin.

"Die Wut der 'Bürger' wog schwerer als unsere Eigentumsrechte, ein gültiger Mietvertrag und das Recht auf Kunstfreiheit", hieß es in einer Stellungnahme. Die Schlösser des angemieteten Objektes seien ausgetauscht worden. Man verlange nun die Herausgabe der Schlüssel und erwäge dafür auch juristische Schritte.

Die Polizei war am Montag gegen die Aktion des Künstlerkollektivs eingeschritten. Zur Gefahrenabwehr seien Plakate vom Büro der Aktivisten entfernt worden, hatte die Polizei mitgeteilt.

Auf der Internetseite sucht die Gruppe mit Fotos nach angeblichen Teilnehmern der rechten Demonstrationen und Ausschreitungen in Chemnitz. Das Künstlerkollektiv will dafür nach eigener Aussage drei Millionen Bilder ausgewertet haben.

Mit Foto und Geldversprechen wurde auf einer Website nach Teilnehmern von Demos gesucht.
Mit Foto und Geldversprechen wurde auf einer Website nach Teilnehmern von Demos gesucht.  © Screenshot

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) sicherte am Dienstag eine Prüfung dabei gewonnener Kenntnisse zu. Die Polizei arbeite mit jedem Bürger und mit jeder Bürgerin zusammen - vor allem wenn deren Hinweise zur Aufklärung von Straftaten führten. "Wir prüfen alles. Wir werten natürlich auch dieses Material, das uns übergeben wird, aus."

Für die Bewertung seien Staatsanwälte und Gerichte verantwortlich. Wöller bezog das auch auf die Frage, ob die Aktion des Künstlerkollektives von der Kunstfreiheit gedeckt ist.

"Die Zeiten des Prangers gehören eigentlich ins Mittelalter. Wir wissen natürlich über die Möglichkeiten der sozialen Medien, dies mehr oder weniger aus der Anonymität heraus zu tun", sagte der Minister. Allerdings trage das nicht unbedingt dazu bei, den Frieden und den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken.

Während eines Polizeieinsatzes wurde das Geschäft im Rosenhof geöffnet und die Plakate entfernt.
Während eines Polizeieinsatzes wurde das Geschäft im Rosenhof geöffnet und die Plakate entfernt.  © Harry Härtel/Haertelpress

Titelfoto: Screenshot

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