Chemnitzer Bewerbung zur Kulturhauptstadt: Fehlerhaft und bürgerfern

Chemnitz - Die Bewerbung der Stadt als Kulturhauptstadt 2025 liegt vor - und erntet sofort Kritik. "Hölzern" und "mit falschen Übersetzungen" sei die Bewerbungsschrift, mit der Chemnitz eine hochkarätige Jury überzeugen will. Die Stadt verteidigt ihr Buch.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (57, SPD) und Ferenc Csák (45) stellten die Bewerbung vor.
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (57, SPD) und Ferenc Csák (45) stellten die Bewerbung vor.  © Maik Börner

Zweieinhalb Jahre lang schrieben viele Akteure aus Verwaltung, Politik und Kulturszene an der 60 Seiten starken Bewerbung. Doch nun stößt sie auf Enttäuschung.

Ex-Stadtrat Lars Fassmann (41): "Die Sprache ist hölzern und kompliziert. Die Öffentlichkeit war nicht eingebunden. Jetzt knallt die Stadt der Bevölkerung eine fertige Bewerbung vor die Füße."

Doch die Sprache sei nicht nur schwer verstehbar ("Die Fokussierung der Prozesshaftigkeit künstlerischen Schaffens zielt darauf ab, den Akt des Schaffens gegenüber der Präsentation des Werks ins Zentrum zu stellen"), sondern teilweise auch fehlerhaft.

Mindestens drei von sieben Überschriften im Buch sind falsch ins Englische übersetzt, bestätigte der Chemnitzer Englisch-Lehrer Kevin Paul Stuckey (22) TAG24.

Lars Fassmann: "Es sieht nach einer hauseigenen Übersetzung aus." Zudem gibt es Verwirrung bei Bildunterschriften und im Impressum glänzt eine "Lengungsgruppe".

Stadtsprecher Matthias Nowak (51) weist die Vorwürfe zurück: "Unsere Zielgruppe sind zwölf Juroren aus der Kunstszene. Denen muss unser Bidbook gefallen, damit sie für Chemnitz stimmen." Zudem werde die Stadt die Inhalte auf öffentlichen Veranstaltungen vorstellen und diskutieren.

CDU-Generalsekretär Alexander Dierks (31) findet die Bewerbung ebenfalls gut: "Ich habe sie verstanden."

Lars Fassmann (41) wirft der Stadt eine schwache Bewerbung vor.
Lars Fassmann (41) wirft der Stadt eine schwache Bewerbung vor.  © Uwe Meinhold
Auch die Wanderer-Fabrik soll ein Teil der Kulturhauptstadt 2025 werden.
Auch die Wanderer-Fabrik soll ein Teil der Kulturhauptstadt 2025 werden.  © Uwe Meinhold

Titelfoto: Maik Börner

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