Chemnitzer Polizei-Chef sorgt sich ums Wohl seiner Beamten

Die Polizeibeamten befinden sich am Rande der Belastungsgrenze.
Die Polizeibeamten befinden sich am Rande der Belastungsgrenze.

Von Bernd Rippert

Chemnitz -Die Chemnitzer Innenstadt wird immer gefährlicher. Doch trotz steigender Kriminalität ist die Polizei durch ihre vielen Einsätze am Rande der Belastungsgrenze.

Polizeipräsident Uwe Reißmann (59) gibt zu, dass seine Beamten allein überfordert sind: „Wir reden mit der Stadt. Probleme lassen sich nur lösen, wenn jeder seine Aufgaben erledigt.“

Beispiel: Die Operative Einsatzgruppe, die sich seit einem Jahr um die Sicherheit zwischen Stadthallenpark und Zenti kümmert. „Die Maßnahmen greifen“, sagt Reißmann. Trotzdem sind sie eine zusätzliche Belastung für die Beamten - kaum noch zu schaffen.

Insgesamt nehmen die Aufgaben der Polizeidirektion Chemnitz (rund 2000 Mitarbeiter) zu - auch im Umland: Drogenszene Freiberg, politische Demos, Brandstiftungen im Erzgebirge. Die Polizei geht personell auf dem Zahnfleisch.

Polizeipräsident Uwe Reißmann (59) bemängelt die Personalnot der Polizei Chemnitz.
Polizeipräsident Uwe Reißmann (59) bemängelt die Personalnot der Polizei Chemnitz.

„Darum setzen wir auf die Zusammenarbeit mit den Kommunen, fordern in Chemnitz mehr Sozialarbeiter und Vollzugsdienst an den Brennpunkten“, sagt der Polizeipräsident.

Eine Videoüberwachung an der Stadthalle werde geprüft. Die Personalnot gehe so weit, dass es bei Fortbildungen (Schießen, Sport, Theorie) für Beamte einen großen Rückstau gebe.

Zwar seien alle Polizisten „hervorragend an der Waffe ausgebildet“, so Reißmann. „Aber wenn ich mit der Pistole was treffen will, muss ich regelmäßig üben.“

Der Polizeichef lobt „die außerordentlich hohe Motivation“ seiner Mitarbeiter. „Nicht umsonst hat die Polizeidirektion Chemnitz seit Jahren mit die beste Aufklärungsquote.“

Im Vorjahr bearbeitete die Polizei Chemnitz 55.300 Straftaten. Die Aufklärungsquote lag bei 59,7 Prozent. Die Beamten ermittelten 23.500 Tatverdächtige, 9,8 Prozent mehr als 2014. Der Ausländeranteil stieg von 15,7 auf 18,1 Prozent. Finanzieller Schaden aller Taten: 57,8 Millionen Euro.

Deutlich zugenommen haben Wohnungseinbrüche: Im Direktionsbereich um 200 Fälle auf 671, in Chemnitz um 98 auf 279, in Mittelsachsen um 89 auf 237 Fälle. Steigerungen gibt es auch bei Laden- und Fahrraddiebstählen.

Uwe Reißmann zu den Flüchtlingen: „Die Syrer sind unauffällig. Nur Flüchtlinge aus Nordafrika bereiten Probleme, vor allem die wenigen Intensivtäter.“

Fotos: Haertelpress (1), Uwe Meinhold (1)


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0