Chemnitzer Polizeipräsident Reißmann in der Kritik

Redakteur Falk Ester (r.) über Uwe Reißmann, Leiter der Polizeidirektion Chemnitz.
Redakteur Falk Ester (r.) über Uwe Reißmann, Leiter der Polizeidirektion Chemnitz.

Ein Kommentar von Falk Ester

Das PR-Krisenmanagement des Chemnitzer Polizeipräsidenten Uwe Reißmann (59) ist katastrophal. Statt Worte des Bedauerns über Clausnitz, rammelt er den Kopf durch die Wand, verkündet: „An diesem Einsatz gibt es nichts zu rütteln.“ Bayerische Sturheit!

Nun wird der Polizeichef, sich solchermaßen selbst an den Pranger stellend, in sozialen Medien als Halbnazi wie die Sau durchs Netz gejagt, obwohl er Demokrat und ein hervorragender Polizist ist.

Die Kritik an ihm und Sachsen hagelt’s nicht zuletzt wegen der, wie man in Reißmanns bayerischer Heimat sagt, „depperten“ Pressekonferenz.

Bittersüß-genüsslich wälzt Netzwerk-Deutschland, oft mit einer gehörigen Portion Selbstinszenierung verbunden, jede Spielart der Frage: „Leben nur noch Nazis in Sachsen?“

Durch diese Allgemeindiffamierung wird zurzeit der Blick auf wichtige Fragen verstellt: Wenn sich in Clausnitz 100 Krakeeler versammeln, wieso wissen Staats- und Verfassungsschutz nichts? Wieso wissen militante Asylgegner über Busfahrten Bescheid?

Wieso waren nur 28 Polizisten im Einsatz? Wie viele Überstunden haben sie? Wieso haben sie kein Pfefferspray gegen rechte Krakeeler eingesetzt? Gibt es bei der Chemnitzer Polizei einen Personalengpass? Wenn ja: Wieso kritisieren Landespolitiker Reißmann, wenn sie doch selbst für die personelle Ausstattung der Polizei verantwortlich sind?

Und: Merkt niemand, dass der Rechtsstaat in Clausnitz den Offenbarungseid leistete, als eine Handvoll Polizisten vor 100 Leuten kapitulierte?

Ich hoffe nicht, Reißmann springt über die Klinge. Er wäre ein Bauernopfer. Gerade jetzt werden seine Fähigkeiten benötigt - Chemnitz hat regelmäßig die höchste Aufklärungsquote Sachsens.

Ein PR-Betreuer für ihn wäre aber ratsam. Und ein Krisengipfel in Dresden, um die Polizei aufzustocken und Verfassungs- sowie Staatsschutz Feuer unterm Hintern zu machen.

Foto: Maik Boerner, dpa/Hendrik Schmidt


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