Chemnitztal-Viadukt: Die Stadt bäumt sich auf

Sebastian Drechsler (24, v.l.), Michael Backhaus (67) und Frank Kotzerke (43) vom Verein „Viadukt“ wollen mit Postkarten an Ministerpräsident Stanislaw Tillich (56, CDU) den Abriss doch noch verhindern.
Sebastian Drechsler (24, v.l.), Michael Backhaus (67) und Frank Kotzerke (43) vom Verein „Viadukt“ wollen mit Postkarten an Ministerpräsident Stanislaw Tillich (56, CDU) den Abriss doch noch verhindern.

Von Caroline Staude

Chemnitz - Die Chemnitzer haben ihr Viadukt noch nicht aufgegeben! Im November verkündete die Deutsche Bahn das Aus für die Brücke (MOPO berichtete). Doch sowohl Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (54, SPD) als auch Chemnitzer Bundestags- und Landtagsabgeordneten protestierten in offenen Briefen bei Bahnchef Rüdiger Grube (64) gegen den Abriss. Der Verein „Viadukt“ versucht nun, der Brücke mit Postkarten zu helfen.

In ihrem Schreiben an Grube zeigte sich Ludwig enttäuscht. „Nach unserer Auffassung wurde dem Denkmalschutz nicht der entsprechende Stellenwert eingeräumt.“

Sie bat um einen Termin in Berlin, um nochmals über Finanzierungsmöglichkeiten einer Sanierung zu sprechen.

Bürgermeisterin gegen Bahnchef Grube! Die Briefe von OB Ludwig (54, SPD) bleiben unbeantwortet.
Bürgermeisterin gegen Bahnchef Grube! Die Briefe von OB Ludwig (54, SPD) bleiben unbeantwortet.

Grube antwortete allerdings weder auf den Brief von Ludwig noch auf das Schreiben der Landtagsabgeordneten selbst, ließ stattdessen Eckart Fricke (59), Konzernbevollmächtigten für Sachsen, das Festhalten am Neubau des Viadukts untermauern.

Untersuchungen der Bahn zufolge koste die Viadukt-Sanierung rund 20,2 Millionen Euro, der Neubau nur 12,3. Ein eigenes Gutachten hat die Stadt Chemnitz nicht anfertigen lassen, da die Bahn Eigentümer sei, teilte Baudezernent Michael Stötzer (43, parteilos) auf AfD-Anfrage mit.

Im Internet formiert sich derweil eine Initiative für den Erhalt der Brücke. Dahinter steckt der Verein „Viadukt“.

Dessen Mitglieder haben eine Postkartenaktion gestartet. „An insgesamt 25 Orten in der Stadt stehen Sammelboxen mit den Karten bereit. Diese sollen die Chemnitzer ausfüllen, wir schicken sie zu Ministerpräsident Tillich“, erklärt Frank Kotzerke (43). „Wir fordern, dass auch er sich für den Erhalt stark macht.“

Noch bis zum 26. Februar läuft das Planfeststellungsverfahren zum Abriss. Bis dahin kann jeder seine Einwände dagegen bei der Landesdirektion Chemnitz einbringen. Infos dazu unter www.viadukt-chemnitz.de.

Auf der Seite des Vereins gibt’s alle Infos zum laufenden Planfeststellungsverfahren.
Auf der Seite des Vereins gibt’s alle Infos zum laufenden Planfeststellungsverfahren.

Fotos: Maik Börner, Harry Haertel, Steffen Füssel, Screenshot/viadukt-chemnitz.de


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