Polizist schießt "versehentlich" auf Demonstranten (18): Lebensgefahr!

Hongkong - Bei den Demonstrationen zum chinesischen Nationalfeiertag gab es in Hongkong zahlreiche Aufstände. Ein Polizist schoss angeblich versehentlich auf einen 18-jährigen Demonstranten.

Demonstranten werden in Hong Kong von der Polizei zurückgehalten.
Demonstranten werden in Hong Kong von der Polizei zurückgehalten.  © Vincent Thian/AP/dpa

Am Dienstag ist es exakt 70 Jahre her, dass die Volksrepublik China gegründet wurde. Die kommunistische Partei erklärte damals den Status als "Halbkolonie" für beendet und das Land zu einem eigenständigen Staat. Sie strukturierten zu der Zeit das Land nach dem Vorbild der Sowjetunion um und machten es zu einem kommunistischen Staat.

Nicht jeder Chinese feiert jedoch den Nationalfeiertag. Viele Bewohner der Sonderverwaltungszone lehnen die Übernahme Chinas ab.

Bis 1997 war das Gebiet in britischer Hand. Danach hat die chinesische Regierung Anspruch auf Hongkong erhoben und die Kontrolle übernommen.

So kommt es seitdem jedes Jahr am 1. Oktober zu großen Aufständen und Ausschreitungen in dem Stadtstaat.

Immer wieder legen Demonstranten dabei Brände oder greifen Polizisten an. Diese können sich angeblich nur retten, indem sie scharfe Munition abfeuern. Oft geschieht dies mit Schüssen gen Himmel oder Boden.

Rabiates Vorgehen Hong Konger Polizisten in der Kritik

Die Teilnehmer der Demonstration werden mit Tränengas zurückgehalten.
Die Teilnehmer der Demonstration werden mit Tränengas zurückgehalten.  © ---/kyodo/dpa

Ein Polizist schoss jedoch am Dienstag auf einen Demonstranten, wie ein im Internet aufgetauchtes, aber zwischenzeitlich gelöschtes Video belegte.

Der Demonstrant wandte sich eigentlich nur an den Uniformierten, da er ärztliche Hilfe benötigte, berichtet die South China Morning Post.

Der Beamte schätzte die Lage scheinbar falsch ein und verstand nicht, was der 18-jährige Student wollte. So eröffnete er einfach das Feuer, als sich dieser ihm weiter näherte. Der Gesetzeshüter traf ihn dabei an der Lunge.

Danach wurde Erste Hilfe geleistet und der Schwerverletzte in ein Krankenhaus gebracht. Da ihm dort nicht geholfen werden konnte, verblieb die Kugel erst mal in dem jungen Mann und er wurde in ein anderes Krankenhaus gebracht.

Dort findet die lebensrettende Operation statt. Wenn er diese überstehen sollte, ist er stabilisiert und nicht mehr in Lebensgefahr.

Die Polizeichefin entschuldigte sich inzwischen für den tragischen Vorfall und sagte, dass die Kugel ihn aus Versehen traf.

Viel Gewalt in der Sonderverwaltungszone

Brände werden oft von den Demonstranten gelegt.
Brände werden oft von den Demonstranten gelegt.  © Gemunu Amarasinghe/AP/dpa

Auch der britische Außenminister Dominic Raab äußerte sich zu den Protesten in Hong Kong: "Das Schießen aus nächster Nähe schien eher ein Angriff als eine Selbstverteidigung zu sein [...] Viele Polizisten sind außer Kontrolle geraten und haben Demonstranten, die Öffentlichkeit, medizinisches Personal, Journalisten, Sozialarbeiter und Gesetzgeber grob behandelt", hieß es in der Erklärung.

"Es war gleichbedeutend damit, die Polizei zu ermächtigen, Hongkong zu verwalten. Die Mitglieder des demokratischen Lagers fordern Chief Executive [engl.: Regierungsleiterin] Carrie Lam auf, nicht mehr so ​​zu tun, als ob sie nichts mit Polizeigewalt zu tun hätte. Sie muss sich den Problemen stellen und auf die Protestierenden reagieren", schloss Außenminister Raab ab.

Amnesty International fordert auf Twitter ebenso Aufklärung und umfangreiche Ermittlungen zu dem Vorfall.

Die Einsätze erregen weltweites Aufsehen aufgrund ihrer schnellen Eskalationen: Polizisten scheinen mit den Situationen überfordert zu sein und setzen schon sehr zeitig Tränengas ein. So braucht sich ein Demonstrationszug oftmals nur einer Straßensperre nähern und die Beamten zünden die gefährlichen Rauchwolken.

In der Stadt war zudem fast das komplette Nahverkehrsnetz zum Erliegen gekommen, da die Polizei den Betrieb der U-Bahnen auf vielen Strecken untersagte und die Stationen versperrte.

Titelfoto: Vincent Thian/AP/dpa

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