Schuhproduktion für Ivanka Trump in China: Warum sind zwei Frauen verschwunden?

Im März nahm Ivanka Trump (li.) noch an dem 20. Dialogue Gipfel zur Stärkung der Frauen bei.
Im März nahm Ivanka Trump (li.) noch an dem 20. Dialogue Gipfel zur Stärkung der Frauen bei.  © DPA

China/Washington - Bangladesch, China oder Philippinen: Die Bilder aus den Produktionshallen großer Firmen und Marken ähneln sich: Frauen, die wie am Fließband und unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten und von dem Geld, die ihre Arbeitgeber machen, nur träumen können.

Oft ist mehr als schwierig, in den hermetisch abgeriegelten und extrem scharf bewachten Fabriken, Einblick zu bekommen, die Missstände aufzudecken und den Frauen zu helfen. Einer, der sich einsetzt, ist der Chinese Li Qiang.

Er ist Bürgerrechtler und Gründer der Organisation China Labor Watch (CLW). Er kontrolliert Modemarken, die im Verdacht stehen, in China unter eben solchen genannten Bedingungen produzieren zu lassen. Schon im vergangenen Jahr fiel ihm dabei die Firma auf, die Schuhe für das Modeimperium von Ivanka Trump produziert.

Was weiß Ivanka Trump von den Herstellungsbedingungen ihrer Schuhe? Zumindest bekam sie einen Brief mit der Auflistung der Missstände.
Was weiß Ivanka Trump von den Herstellungsbedingungen ihrer Schuhe? Zumindest bekam sie einen Brief mit der Auflistung der Missstände.  © DPA

Doch laut Spiegel ließ der Mann den Anfangsverdacht erst einmal fallen, denn "irgendwie tat mir Ivanka leid. Und wer hätte geahnt, dass ihr Vater die Wahl gewinnen würde?", sagt er. Doch weil ihr Name immer wieder auf Zolldokumenten auftauchte, wurde er Mann stutzig.

Also begannen drei Frauen seiner Organisation bei Huajian zu arbeiten, einem Schuhimperium, das unter anderen für Ivanka Trump produziert und zahlreiche Fabriken besitzt. Dabei kamen haarsträubende Zustände ans Licht. Die Arbeiterinnen mussten in zwei Fabriken von 7.10 bis 22.30 Uhr arbeiten, hatten oft nur zwei Tage pro Monat frei und verdienten somit für 300 Stunden Arbeit gerade einmal 327 Euro, das macht ein wenig mehr als einen Euro pro Stunde.

Zudem wurden sie laut den Recherchen extrem beschimpft und beleidigt und wenn jemand vorzeitig kündigte, wurde das letzte Monatsgehalt nicht mehr gezahlt. Der Konzern bestreitet die Vorwürfe, doch bevor die Ergebnisse veröffentlicht werden konnten, wurden die drei Frauen offenbar "kaltgestellt".

Denn eine Frau wurde am vergangenen Wochenende verhaftet, die zwei anderen sind verschwunden. Li sagt, dass es in seiner 17-jährigen Tätigkeit immer mal wieder Ärger gab, doch noch nie sei jemand verschwunden oder festgenommen wurden. "Diesmal ist alles anders. Diesmal habe ich Angst", sagt er dem Spiegel.

Der böse Verdacht kommt auf, dass entweder die USA direkt ihre Finger im Spiel haben, um einen weiteren Skandal im Hause Trump zu vereiteln, oder die chinesischen Behörden die Aktivistinnen haben vielleicht verhaften lassen, um die guten Beziehungen von Peking zum Weißen Haus nicht zu gefährden. Zudem gibt sich Ivanka stets als starke, arbeitende Frau, die für die Rechte der Frauen wirbt.

Li hofft, dass seine Mitarbeiterinnen wieder auftauchen. Am 27. April hat er einen Brief an Ivanka Trump geschrieben und die Vorwürfe aufgelistet, rund einen Monat später sind die drei Frauen weg.


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