Kein Scherz: Erotik-Masseusen brauchen nun den "Huren-Pass"!

Chemnitz - Eine neue Regelung wirft Studios für reine Erotik-Massagen mit knallharter Prostitution zusammen. Sexarbeiterinnen müssen sich jetzt mit Namen registrieren.

Eine Erotik-Massage. Hier geht es um sinnliches Anfassen, aber nicht um Geschlechtsverkehr.
Eine Erotik-Massage. Hier geht es um sinnliches Anfassen, aber nicht um Geschlechtsverkehr.  © 123RF

Das sächsische Ausführungsgesetz fürs Prostituiertenschutzgesetz wurde am Donnerstag rechtskräftig. Auch Erotik-Masseusen brauchen nun den "Huren-Pass".

"Jetzt wird alles in einen Topf geworfen! Für die sind wir alles Prostituierte", schimpft eine Chemnitzer Erotik-Masseuse (52). Sinnliche Massagen - und eben keinen Geschlechtsverkehr - bietet sie zusammen mit einer Kollegin (48) in Ebersdorf an. Beide verwöhnen rund 70 Männer jeden Alters, fast alle sind Stammkunden.

Eigentlich soll das neue Gesetz vor Zwangsprostitution schützen. Aber die Pflicht-Registrierung verschreckt vor allem Gelegenheits-Sexarbeiterinnen, die damit ihren Lebensunterhalt aufbessern wollen.

So verlor das Dresdner "Sinnesart"-Massagestudio bereits ein Drittel seiner Mitarbeiterinnen.

Die meisten sind Studentinnen, die sich mit den sinnlichen Massagen etwas dazu verdienen. Doch durch die behördliche Sexarbeiterinnen-Erfassung hätten theoretisch auch Jugendämter und öffentliche Arbeitgeber Zugriff auf die Daten.

Behörden-Missverständnis: Sachsens Erotik-Masseusen möchten nicht als Prostituierte verstanden werden.
Behörden-Missverständnis: Sachsens Erotik-Masseusen möchten nicht als Prostituierte verstanden werden.  © 123RF

In Chemnitz registrierte die Stadtverwaltung 208 Sexarbeiter-Anmeldungen, allesamt Frauen.

"Das sind 65 Deutsche, 129 EU-Bürger - davon die meisten aus Ungarn und Spanien - sowie 14 Nicht-EU-Bürger", teilte das dafür zuständige Ordnungsamt mit.

Dort wurden zwei Stellen zur Sexarbeiterinnen-Erfassung und zur Vollziehung der Sperrgebietsverordnung geschaffen. Verstöße gegen letztere gab es laut dem Amt weder in der letzten beiden Jahren, noch 2018.

Die Sperrgebietsverordnung sieht vor, dass Prostitution auf öffentlichen Orten sowie in einem Radius von 200 Metern um Kinder- und Freizeiteinrichtungen, Schulen, Kranken- und Pflegeanstalten sowie um Kirchen- und Kirchgemeinden verboten ist.

Die beiden Ebersdorfer Erotik-Masseusen fügten sich der Tatsache, dass sie von den Behörden jetzt als Prostituierte gezählt werden.

Sie sagen: "Auch wenn das Gesetz nicht so toll ist, kann man erstmal nichts dagegen machen."

Nun haben sie zwei neue Ausweise. Einen "privaten" als Behördendokument und einen "öffentlichen" mit Künstlernamen, der zum Vorzeigen bei Kontrollen dient. So soll die Anonymität zumindest etwas gewahrt bleiben.

Alle müssen zum Amt

In Dresden sind laut Gesundheitsamt etwa 600 Sexarbeiterinnen, 100 Sexarbeiter und einige Ladyboys erfasst. In Leipzig dürften es ähnlich viele sein, in Chemnitz eher die Hälfte.

Sie alle müssen jetzt mit zwei Passfotos, einem Gesundheitsnachweis, der Adresse vom Hauptwohnsitz und 35 Euro bei den Behörden vorsprechen.

Titelfoto: 123RF