Zu arm? Mann stirbt, weil Krankenkasse HIV-Therapie nicht zahlt

Chur/Schweiz - In der Schweiz wird derzeit der Fall eines HIV-Patienten diskutiert, der eine notwendige Therapie nicht erhielt. Er verstarb an den Folgen einer Aids-Begleiterkrankung. Bekam er keine medizinische Hilfe, weil er es sich nicht leisten konnte?

Ein Mann bat zweimal um die Bezahlung einer Therapie - erfolglos. Er verstarb (†50).
Ein Mann bat zweimal um die Bezahlung einer Therapie - erfolglos. Er verstarb (†50).  © dpa (Symbolbild)

Ende 2017 verstarb der 50-Jährige. Zuvor bat er mehrfach seine Krankenkasse, dass diese eine notwendige Therapie bezahlen solle. Die Kasse weigerte sich jedoch, das der Mann wegen Beitrags-Ausständen auf der sogenannten "Schwarzen Liste" stand. Das berichtet blick.ch.

Das bedeutet, dass Schweizer Kantone durch diese "schwarzen Listen", auf denen säumige Prämienzahler gelistet sind, auch Todesfälle in Kauf nehmen.

Laut der "SonntagsZeitung" starb Ende letzten Jahres ein HIV-positiver Mann in Graubünden. Seine Medikamente wurden nicht vergütet.

Die >> Krankenkasse ÖKK hatte dem Mann eine wichtige Therapie verweigert. In solch einem Fall müssen Krankenkassen nur noch Notfälle bezahlen.

Dieser Fall sorgt für Entsetzen - nicht nur in den Schweizer Bergen.

Der 50-Jährige bat zweimal um die Bezahlung der HIV-Therapie - erfolglos

Ein Sprecher der Schweizer ÖKK: "Wir dürfen vom Gesetz her nicht vergüten."
Ein Sprecher der Schweizer ÖKK: "Wir dürfen vom Gesetz her nicht vergüten."  © Screenshot

Lisa Janisch, Geschäftsleiterin der >> Aids-Hilfe Graubünden, glaubt: "Der Tod dieses Menschen hängt auch damit zusammen, dass sein Name auf der schwarzen Liste stand." Er habe zweimal um die Bezahlung der Therapie ersucht. Zum einen, als er HIV-positiv war und das zweite Mal, als die Krankheit Aids bereits ausgebrochen war. Die ÖKK habe in beiden Fällen die Bezahlung verweigert.

Die Krankenkasse möchte sich aus Datenschutzgründen jedoch nicht zum konkreten Fall äußern. Ein Sprecher der Schweizer Kasse bestätigte allerdings, dass HIV-positiven Patienten, die auf der schwarzen Liste stehen, die Medikamente nicht bezahlt werden. Das sei aber kein "reiner Entscheid" der ÖKK allein, sondern das sei gesetzlich vorgeschrieben!

"Wir dürfen vom Gesetzt her nicht vergüten, wenn jemand auf der schwarzen Liste eines Kantons steht", sagte der Sprecher weiter. Das sei nur Notfällen möglich. In der Schweiz stünden ca. 33.000 Menschen auf der "Schwarzen Liste".

Dort kosten HIV-Medikamente 2000 Franken monatlich. Laut "blick" können sich immer mehr Menschen ihre Krankenkassenprämien nicht mehr leisten. 2016 beliefen sich die Ausstände auf 305 Millionen Franken. Wegen säumiger Zahler führten acht weitere Kantone die "schwarzen Listen" ein.


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