Kriminelle Clans: Deutschlands gefährliche Familienbanden

Serien wie "4 Blocks" (TNT Serie) und "Dogs of Berlin" (Netflix) befeuern das Phänomen der kriminellen Clans. Spektakuläre Coups arabischer Großfamilien beherrschen immer häufiger die Schlagzeilen. Doch wer sind diese Familien? Wie gefährlich sind sie? Fragen und Antworten.

Die Schauspieler der deutschen Serie "4 Blocks".
Die Schauspieler der deutschen Serie "4 Blocks".  © DPA

Kriminellen Großfamilien werden mit Drogenhandel, illegalen Wettspielen oder Schutzgelderpressung in Verbindung gebracht. Jahrelang agierten sie im Verborgenen. Doch mittlerweile werden sie für die breite Bevölkerung sichtbarer.

Besonders betroffen sind Städte wie Berlin oder Bremen, aber auch das Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. Laut LKA-Experten werden jedes Jahr tausende Straftaten im Staat verübt, die Bezüge zu türkischen und arabischen Clans haben. Die meisten kriminellen Machenschaften siedeln sich im Bereich der Gewalt an, gefolgt von Eigentums- und Betrugsdelikten sowie Drogen-Straftaten.

Was genau sind Clans?

Unter einem "Clan" wird in der Völkerkunde ein Familienverband bezeichnet. Mittlerweile hat sich der Begriff für zugewanderte Großfamilien aus dem libanesischen, türkischen, kurdischen und arabischen Raum eingebürgert.

Loyalität innerhalb der eigenen Familie steht meist über allem anderen. Viele Familienmitglieder sind in den 1980er-Jahren nach Deutschland geflohen. Unter ihnen auch Mhallamiye-Kurden (auch: Mhallamia geschrieben, gesprochen: Machallami) aus dem Libanon. Sie kamen, um sich hier ein neues Leben aufzubauen. Damals wurde ihnen jedoch der Zugang zu Arbeit und Bildung durch den Staat verwehrt.

Jahrelang lebten die Familie der Mhallamiye in Asylheimen, ohne Aussicht, dass sich ihre Situation bessern würde. Denn der Duldungsstatus wird in Deutschland weitervererbt. Das bedeutet, dass die Menschen, obwohl zum Teil hier geboren, nur eine unsichere Bleibeperspektive haben.

Experten sehen darin die Ursache, dass Parallelwelten mit ihren kriminellen Strukturen hier überhaupt entstehen konnten.

Welche kriminellen Familienclans stehen unter Verdacht?

Clan-Mann Nidal R. - vor seinem Mord wurde er mit Arafat Abou-Chaker in Verbindung gebracht.
Clan-Mann Nidal R. - vor seinem Mord wurde er mit Arafat Abou-Chaker in Verbindung gebracht.  © DPA

1. Clan: Remmo (oder: Rammo)

Zu den berüchtigsten Clans Berlins zählt die Großfamilie Remmo. Die über 500 Clan-Mitglieder sind immer wieder in Messerstechereien oder Massenschlägereien verwickelt.

Einst bettelarm aus dem Libanon nach Berlin gekommen, hat sich die Familienbande ein kleines Immobilien-Imperium aufgebaut. Die Gelder hierfür stammen mutmaßlich aus den Einnahmen illegaler Geschäfte.

Mitglieder des Araber-Clans werden zudem verdächtigt, spektakuläre Kriminalfälle begangen zu haben: Dazu gehören der Raub einer fast vier Millionen Euro teuren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum sowie der Überfall auf eine Sparkasse mit neun Millionen Euro Beute.

2. Clan: Abou-Chaker

Das Oberhaupt des palästinensisch-stämmigen Familienverbands aus Berlin mit schätzungsweise 200 bis 300 Mitgliedern ist Arafat Abou-Chaker. Bekannt wurde dieser als Bushidos (mittlerweile Ex-)Geschäftspartner.

Zum engsten Kern zählen noch fünf Brüder (Nasser, Mohammed, Abdallah, Ahmed). Laut der Staatsanwaltschaft Berlin erfüllt der Clan die Eigenschaften der organisierten Kriminalität.

Einigen Abou-Chakers werden Schutzgelderpressung, Drogen- und Waffenhandel, Zuhälterei und Raubüberfälle vorgeworfen. Ein Familienmitglied wurde als Drahtzieher des sogenannten Pokerraubs 2010 im Berliner Grand Hyatt Hotel verurteilt.

3. Clan: Miri

Heimisch ist die mhallami-libanesische Familienbande überwiegend in Bremen. Einzelne Mitglieder standen bereits wegen diverser Delikte vor Gericht.

Laut einer gesonderten Datei der Bremer Polizei werden mehr als ein Drittel der weitverzweigten arabischen Großfamilie einer Straftat beschuldigt.

Familienpatron Ahmad und drei seiner Brüder stehen im dringenden Verdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Handelns und Schmuggels von Kokain. Bereits im Jahr 2018 fand daher eine großangelegte Durchsuchungsaktion statt.

4. Clan: Al-Zein

Weit verbreitet in Nordrhein-Westfalen ist die libanesische Familie Al-Zein (auch: El-Zein). Diese stammt ebenfalls aus der Mhallami-Volksgruppe.

Mahmoud Al-Zein ("El Presidente") ist bereits mehrfach wegen Drogenhandels verurteilt wurden. Offiziell soll der selbsternannte Unterweltkönig von Sozialhilfe leben.

Einige Familienmitglieder werden für den Überfall auf das Berliner KaDeWe (Kaufhaus des Westens) im Dezember 2014 verantwortlich gemacht.

Rapper Bushido und seine Verbindungen zu Clanmitgliedern

Jahrelang ließ sich Bushido mit einer arabischen Großfamilie ein. Im März 2018 wagte er den Bruch.
Jahrelang ließ sich Bushido mit einer arabischen Großfamilie ein. Im März 2018 wagte er den Bruch.  © DPA

Für besonders viele Schlagzeilen sorgte die enge Verbindung des Rappers Bushido mit Arafat Abou-Chaker, einem der bekanntesten Clan-Chefs in Deutschland. Schießereien und Familienbande gehören schließlich zu den Lieblingsthemen im Rap.

Einiges Aufsehen erregte die Trennung von Bushido und seinem ehemaligen Geschäftspartner. Der Zeitschrift "Stern" gegenüber berichtete der Familienvater von Morddrohungen. Seine Ehefrau, die jüngere Schwester von Popstar Sarah Connor, beschuldigte Abou-Chaker in sozialen Netzwerken sogar ihre Kinder entführen zu wollen. Nach einer vorübergehenden Festnahme, ist Arafat mittlerweile wieder auf freien Fuß.

Eine langjährige Feindschaft verbindet auch die Dresdner KMN Gang und Aziz Miri. Mit dem Lied "Kokaina" bekam der Neu-Dresdner, ehemals von Miri gemanagte Zakaria Ilias Ärger mit dem Miri-Clan. Es geht um Geld und andere Verbindlichkeiten.

Aufsehenerregende Straftaten durch kriminelle Clans

Die 100 Kilogramm schwere Goldmünze "Big Maple Leaf".
Die 100 Kilogramm schwere Goldmünze "Big Maple Leaf".  © DPA

Immer wieder berichten Medien über spektakuläre kriminelle Taten von Mitgliedern aus Großfamilien.

So wurde im Jahr 2010 ein Überfall auf ein Pokerturnier im Hyatt-Hotel verübt, 2014 erfolgte ein Raubüberfall auf die Schmuckabteilung des Kaufhaus des Westens und 2017 wurde bei einem Einbruch im Bode-Museum eine Goldmünze im Wert von rund 3,75 Millionen Euro entwendet.

Was tun Polizei und Justiz gegen kriminelle Clans?

Nulltoleranz und Razzien gegen Clans. Das BKA will sich intensiver um Straftaten ausländischer Clans kümmern.
Nulltoleranz und Razzien gegen Clans. Das BKA will sich intensiver um Straftaten ausländischer Clans kümmern.  © DPA

Der Druck auf Polizei und Justiz steigt in dem Maße, in dem die kriminellen Aktivitäten der Clans an die Öffentlichkeit kommen.

Anfänglich kaum wahrnehmbar, werden die abgeschotteten Banden immer dreister, es kommt zu offenen Schießereien und aufsehenerregenden Verbrechen. Schon seit langem gilt Clan-Kriminalität als unterschätzte Gefahr.

Bundesweit steigen laut Bundeskriminalamt die Verfahren gegen türkische und arabische Clans wegen organisierter Kriminalität weiter an - von 25 im Jahr 2016 auf 39 im Jahr 2017.

Verstärkt wird auf Null-Toleranz gesetzt. Etwa indem Polizeibehörden ihre Präsenz erhöhen und in kurzen Abständen Geschäftsräume wie Shisha-Bars oder Gebrauchtwagenhandlungen durchsuchen.

Einen Erfolg im Kampf gegen die libanesisch-türkischen Clans feierten Ermittler bei der Beschlagnahmung dutzender Immobilien der Remmo-Familie im Juli 2018.

Das Gesetz zur Reform der strafrechtlichen Vermögensabschöpfung ermöglicht demnach die Sicherstellung von Vermögen, wenn es im Zusammenhang mit einer Straftat stehen könnte.

Höchst umstritten ist der Vorschlag, Kinder aus kriminellen Familien in staatliche Obhut zu nehmen. Aufgrund der hohen rechtlichen Hürden sind Experten allerdings skeptisch.

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