Dopingvorwürfe gegen Pechstein: Eisschnellläuferin bekommt Entschädigung

Straßburg/Berlin - Seit mittlerweile fast zehn Jahren wehrt sich die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gegen eine einst gegen sie verhängte zweijährige Sperre. Doch ihr wohl wichtigstes Argument hat den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nun nicht überzeugt.

Claudia Pechstein hatte jahrelang geklagt.
Claudia Pechstein hatte jahrelang geklagt.  © DPA

Das Gericht attestierte dem CAS am Dienstag in dem Fall keinen Mangel an Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit. Damit hat Pechstein mit ihrer Beschwerde vor dem Straßburger Gericht eine Teilniederlage erfahren.

In einem anderen Punkt gaben die Richter Pechstein jedoch recht: Der CAS hätte ihr ein öffentliches Verfahren gewähren müssen. Durch die fehlende Öffentlichkeit sei Pechsteins Recht auf ein faires Verfahren verletzt worden. Daher stehen der Sportlerin nun 8000 Euro Entschädigung zu. Das Urteil kann noch innerhalb von drei Monaten angefochten werden.

Pechsteins Anwalt Simon Bergmann wertete den Richterspruch als Erfolg. "Es ist eine Menschenrechtsverletzung festgestellt worden", sagte Bergmann der Deutschen Presse-Agentur. Das Urteil des CAS wäre seinen Worten zufolge möglicherweise anders ausgefallen, wenn die Öffentlichkeit beteiligt gewesen wäre. Das Straßburger Urteil könnte demnach auch Einfluss auf Pechsteins Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht haben.

Der CAS sieht den Status der Unabhängigkeit durch das Urteil bestätigt. "Der EGMR hat alle Ansprüche, mit einer Ausnahme zum Recht auf öffentliche Anhörung, abgewiesen", hieß es in einer Stellungnahme des CAS.

Claudia Pechstein hat in Straßburg eine Teilniederlage erlitten.
Claudia Pechstein hat in Straßburg eine Teilniederlage erlitten.  © DPA

Die fünfmalige Olympiasiegerin hatte sich im Jahr 2009 vor dem CAS gegen eine zweijährige Sperre wegen auffälliger Blutwerte beschwert, die Pechstein auf eine geerbte Blutanomalie zurückführt. Der CAS bestätigte die Strafe jedoch. Pechstein machte in Straßburg geltend, dass der CAS weder unabhängig noch unparteiisch sei. Den Vorwurf begründete die 46-Jährige laut dem Gericht unter anderem mit der Art und Weise, wie die CAS-Richter ernannt werden.

Die Straßburger Richter argumentieren in ihrem Urteil, über Pechsteins Fall hätten drei Schiedsrichter entschieden, die aus einer Liste mit fast 300 Kandidaten ausgewählt worden seien. Die Sportlerin habe keine Argumente vorgebracht, die grundsätzliche Zweifel an der Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit der Richter auf dieser Liste hätten rechtfertigen können, urteilte das Menschenrechtsgericht. Von den drei Richtern in ihrem Verfahren habe Pechstein darüber hinaus nur Zweifel an einem einzigen geäußert, dem Vorsitzenden - ohne ihre Vorwürfe jedoch ausreichend zu belegen.

Die Straßburger Richter räumen ein, dass Sportorganisationen - also zum Beispiel Verbände - einen deutlichen Einfluss auf das Auswahlverfahren der CAS-Schiedsrichter ausgeübt hätten. Aber aus dieser Tatsache allein könne nicht abgeleitet werden, dass die Richter automatisch abhängig von diesen Organisationen sein müssten.

Allerdings hätte Pechstein eine öffentliche Anhörung gewährt werden müssen, heißt es in dem Urteil. Die Prinzipien zur Öffentlichkeit von Zivilverfahren gelten demnach auch für Schiedsgerichte wie den CAS.

Titelfoto: DPA


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