Ein Jahr danach: So geht es dem Flüchtlingsjungen aus Clausnitz





Vor einem Jahr in den Schlagzeilen: Clausnitz in Mittelsachsen.
Vor einem Jahr in den Schlagzeilen: Clausnitz in Mittelsachsen.  © Uwe Meinhold

Clausnitz - Vor einem Jahr sorgte die fremdenfeindliche Blockade eines Flüchtlingsbusses in Clausnitz für weltweite Schlagzeilen. Inzwischen ist Ruhe eingekehrt. Doch viele Hoffnungen haben sich nicht erfüllt.

Als Luai vor einem Jahr in Clausnitz mit Gewalt von einem Polizisten aus dem vom grölenden Mob umstellten Bus geholt wird, ist er starr vor Angst. Die Szene geht als Video um die Welt. Heute kann der Junge (15) aus dem Libanon darüber lachen.

„Ich habe hier viele deutsche Freunde.“ Luai geht in die 8. Klasse der Oberschule Brand-Erbisdorf. Nach einem Jahr spricht er gut Deutsch. „Ich lerne jetzt auch Spanisch und Russisch.“

Vor der Flucht mit Vater und Bruder lebte er in Tripoli. Seine Mutter und zwei Geschwister blieben. Luais Vater wollte die beiden ältesten Söhne wegen des zunehmenden Einflusses des IS in Sicherheit bringen, so Marc Lalonde. Der Englisch-Lektor der TU Dresden kümmert sich um die Flüchtlinge in Clausnitz.





Luai vor seiner Unterkunft. Er sei überall beliebt, integriert und habe gute 
Noten, sagt sein Betreuer.
Luai vor seiner Unterkunft. Er sei überall beliebt, integriert und habe gute Noten, sagt sein Betreuer.  © dpa/Sebastian Kahnert

Luais Vater hoffte, die Familie nachholen zu können. „Im Herbst bekam er einen Ablehnungsbescheid“, so Lalonde.

Trotz Einspruch ist die Hoffnung gering. „Luais Vater und der Bruder wollen deshalb zurück in den Libanon, wenn die zweite Ablehnung kommt.“ Luai nicht. Dass er allein hier bleiben kann, ist ziemlich aussichtslos.

Trotz der schlimmen Ankunft habe sich die Situation gut entwickelt - oder vielleicht auch gerade deshalb. „Das sind die aus dem Bus“ - wenn er das sage, öffneten sich Türen, so Lalonde. Etwa bei Spenden oder Sprachkursen.

Im Ort will kaum jemand über die Flüchtlinge sprechen, vor allem nicht über deren Ankunft.

Ein alter Mann steht hinter dem Zaun eines Hauses. „Es ist doch gar nichts passiert“, sagt er. „Niemand wurde verletzt.“

Die Flüchtlingsunterkunft in Clausnitz. Inzwischen ist Ruhe eingekehrt.
Die Flüchtlingsunterkunft in Clausnitz. Inzwischen ist Ruhe eingekehrt.  © dpa/Sebastian Kahnert
Am Tag nach der Busblockade demonstrierten Flüchtlingsunterstützer in 
Clausnitz.
Am Tag nach der Busblockade demonstrierten Flüchtlingsunterstützer in Clausnitz.  © Norbert Neumann
Diese Szene ging um die Welt: Luai wird von Polizisten aus dem Bus gezerrt. 
Name des Busunternehmens: „Reisegenuss“.
Diese Szene ging um die Welt: Luai wird von Polizisten aus dem Bus gezerrt. Name des Busunternehmens: „Reisegenuss“.  © Screenshot/YouTube

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