Komplett irrer Höllentrip! Drogen und Sex ohne Ende im Kino-Skandalfilm "Climax!"

Berlin - Skandal-Regisseur Gaspar Noé (54, Irreversibel, Enter the Void, Love) ist zurück! Der Argentinier sorgt auch mit dem äußerst umstrittenen "Climax" für Aufsehen.

Der Wahnsinn ist vorprogrammiert: Selva (Sofia Boutella) weist David (Romain Guillermic) zurück.
Der Wahnsinn ist vorprogrammiert: Selva (Sofia Boutella) weist David (Romain Guillermic) zurück.  © PR/Alamodefilm

Der Film beginnt mit einer jungen, blutenden Frau, die völlig verzweifelt und nur mit knappen Party-Outfit bekleidet im Schnee entlang läuft und sich weinend hinlegt.

Dann der Umschnitt. Im Jahr 1996 bewerben sich viele Tänzer bei Selva (Sofia Boutella).

Insgesamt 21 werden genommen. Sie proben ihre aufwendige, laszive Choreografie und führen sie in einer weitläufigen, in schummriges Licht getauchten Berghütte vor.

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Denn sie sollen erst in Frankreich und anschließend in den USA auf Tour gehen. Dazu kommt es jedoch nicht - weil irgendjemand von ihnen Drogen in die Sangria gemischt hat!

Jeder einzelne Tänzer reagiert anders darauf und durchlebt unterschiedliche Phasen des Wahnsinns und der Halluzinationen. Es gibt Verletzte, Orgien, Sex und die pure Eskalation...

Noé hat mit "Climax" einen einzigartigen, merkwürdigen, anarchischen, chaotischen und spannenden Film geschaffen.

Sein Werk wird wieder stark polarisieren. Die einen werden einen inhaltslosen und wirren Film ohne roten Faden sehen, die anderen ein hochinteressantes Projekt mit vielen Deutungsmöglichkeiten, ausschweifenden Dialogszenen, langen Plansequenzen und einem sehr eigenen Schnitt, der aber für eine hypnotische Sogwirkung sorgt und die Zuschauer so in eine Filmhölle abtauchen lässt, in der Menschen komplett durchdrehen und ihre Stimmung sekündlich wechseln.

Wer hat die Drogen in die Sangria gemischt?
Wer hat die Drogen in die Sangria gemischt?  © PR/Alamodefilm

Die positiven Stimmen zu "Climax" überwiegen. Denn er konnte schon mehrere Awards absahnen, unter anderem den C.I.C.A.E. Award auf dem renommierten Cannes Film Festival 2018.

Und eines muss man Noé lassen: Nur wenigen Regisseuren würde ein Film wie dieser gelingen.

Voll roher, ungefilterter Wucht und Dynamik, die durch die exzellente Kameraführung, die immer einem Protagonisten folgt, noch verstärkt wird.

Großartig ist auch der pulsierende und rhythmische Disco-Soundtrack, der fast schon eine eigene Filmfigur ist, so eine wichtige Rolle spielt er.

Das gilt auch für die verschiedenen Räume der Berghütte, die durch ihre kontrastreiche, szenenweise auch Disco-typische Farbgebung für eindrückliche visuelle Erlebnisse sorgt.

Auch von den handwerklichen und technischen Kategorien abgesehen bleibt Noé seinem komplett eigenen Stil treu (der Abspann ist zum Beispiel zu Beginn des Filmes zu sehen).

In seinem Regiekommentar erklärt er unter anderem, dass er auf ein klassisches Drehbuch verzichtet hat und improvisieren ließ.

Gilt als einer der größten Skandal-Regisseure auf der Welt: Der Argentinier Gaspar Noé.
Gilt als einer der größten Skandal-Regisseure auf der Welt: Der Argentinier Gaspar Noé.  © DPA

Für die Schauspieler mit ihren gänzlich unterschiedlichen Charakteren ein Geschenk, denn sie spielen allesamt klasse auf und verkörpern den filmischen Wahnsinn mit Selbstverstümmelungen, Pissen auf die Tanzfläche, Lesben-Sex, Orgien, Schlägereien und in lodernden Flammen aufgehenden Haaren großartig.

Dadurch entsteht eine verrückte, mitunter auch komplett asoziale Gruppendynamik, die Noé stark zu inszenieren weiß.

Auch die immer lauter werdenden Schreie und das erschöpfte Gestöhne sorgen für eine beklemmende und zeitgleich faszinierende Stimmung, die immer stärker wird, je näher der Höhepunkt des Filmes kommt.

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Wo der Argentinier mit seinem Projekt allerdings hin will und was genau seine Aussagen sind, bleibt allerdings ebenso rätselhaft, wie einige Szenen.

"Climax" ist ein stark polarisierender Film, dem man aber bei allen möglichen Kritikpunkten zugutehalten muss, dass er einen ganz eigenen Stil hat, dazu mit seiner rohen Wucht und seinem ungewöhnlichen Schnitt eine hypnotische Sogwirkung erzielt. Doch einen wirklichen Sinn hat dieser völlig verrückte Höllentrip nicht wirklich.

Die Tanz-Choreografie ist eine anzüglich-erotische Gruppenshow.
Die Tanz-Choreografie ist eine anzüglich-erotische Gruppenshow.  © PR/Alamodefilm

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